(15) Smile at your baby! Oder: Kind of a Boot Camp

Es gibt hier auf der Insel das 500 Mitglieder starke „Family´s Network“, das nicht mehr und nicht weniger ist als ein gut gepflegter Verteiler mit Email-Adressen von Eltern guten Willens. Das Family`s Network ist Gold wert. Nicht nur für den „Moving Sale“. Ich habe darüber meine Krabbelgruppe gefunden und die „Moms on the Move“ – Gymnastik am Montag. „On the move“ passt, denn die teilnehmenden Mütter kommen aus diversen US-Staaten und aller Herren Länder.
Da ist auch A. aus P. Neulich war sie sehr luftig angezogen; ebenso wie ihr Kind. Da dachte ich, vielleicht macht man das so in P., und weil ich sonst nichts zu quatschen hatte, fragte ich mal nach, was es damit auf sich habe. Da sagte A. aus P., sie habe sich und ihr Kind heute falsch angezogen. Sie verzog dabei keine Miene. Das beeindruckte mich, denn unter Müttern, die man nicht gut kennt, etwas Derartiges zuzugeben ganz ohne sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen, finde ich sehr souverän. Ebenso könnte man sagen „Wir haben heute Himbeereis gefrühstückt“ oder „nachmittags bis abends sieht der Kleine immer so gerne fern.“
Wegen dem ganzen „Move“ war uns zuletzt die Übungsleiterin des „Moms on the Move“ abhanden gekommen und es musste sich eine andere Mutter finden, die aber nun ihrerseits wieder zu vertreten war, da sie ein paar Wochen verreisen wollte. Gar nicht so einfach, jemanden zu finden. E. aus D., die unermüdliche Family`s Network-Managerin, die beim besten Willen nicht alles selbst machen kann, fragte irgendwann auch A. aus P. und diese sagte: „Yeah“. Sie sagte es so beiläufig und so ohne Denkpause, dass E. aus D. erneut nachfragte, ob sie die Leitung wirklich übernehmen könne. Wieder ohne Denkpause: „Yes, for sure.“ Sie sieht ja nicht unsportlich aus – aber auch nicht wie eine Fitness-Maus. Aber egal – Hauptsache jemand macht`s!
Am nächsten Montag brachte A. aus P. ein paar kleine Musikboxen mit, deren Leistungsfähigkeit uns alle ebenso überraschte wie A. aus P. selbst. Sie zeigte sich als geborene Fitnesstrainerin. Bei durchgestreckten Beinen kann sie ihre Handflächen flach auf dem Boden auflegen und sie hat sich mittels eines Fitnesstickets, das in ganz NYC gilt, ein erstaunliches Repertoire an muskelfördernden Verrenkungen angeeignet. Mit überbordendem Enthusiasmus jagte sie uns durch ihr Programm. Doch ihre wichtigste Übung hieß: „Smile at your baby!“.
Die Mütter stöhnten und ächzten, setzten heimlich aus und gaben vor, sich um ihr Baby kümmern zu müssen. „Kind of a boot camp isn´t it?“, witzelte E. aus D. und „Könnten wir das nicht öfter machen?“ Ratet mal, was A. aus P. gesagt hat.

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