(25) Licht! – Oder : Super mom

Mit den Lampen ist es hier so: Das Apartment ist mit Deckenlampen in Flur, Küche und Bad ausgestattet, weitere Deckenlampen sind nicht erwünscht. Bei der ganzen Moverei wäre es auch ungünstig, wenn jeder Mieter die Decke durchlöchern würde und ich glaube, es liegen ohnehin keine weiteren Anschlüsse. Man stellt sich hier nämlich lieber die Wohnung mit Stehlampen voll. Die Lichtschalter an den Wänden sind sogar extra an die Steckdosen gekoppelt. Anfangs dachte ich, in jedem unserer vielen Räume sei mindestens eine Steckdose kaputt, die Meldung unten am front desk ergab jedoch, dass sie nur ausgeschaltet waren. Die Flamingo-Lichterkette, geschenkt von Mr. und Ms. Nice View, können wir nun mit dem Wandschalter zum Erleuchten bringen – das hat was.
Auf Dauer war es nicht ideal, dass wir im Schlafzimmer nur zwei Nachtischlämpchen hatten, selbst wenn man sie mit dem Wandschalter betätigen konnte (waren sie allerdings einmal ausgeschaltet, musste man vom Bett aufstehen). Wie gut, dass es diese Woche im Family´s Network Stehlampen gab (Moving Sale), eigentlich zwei, und die Dritte gab´s geschenkt. Geschenkt? Nehm ich! Die Vorbesitzerin der Lampen heißt Mercedes, ihr Name ist zu schön um ihn abzukürzen. Sie kommt aus Argentinien, wohin sie jetzt zurückkehrt. Von ihr habe ich bereits den Staubsauger, der mich zwar nervt, aber da kann Mercedes nichts dafür, sie hat ihn ja nicht hergestellt, genauso wenig wie die 50 Millionen anderen dieses Typs, die es hierzulande gibt. Ob sie die Lampen noch bis Freitag behalten dürfe, fragte Mercedes, sie säßen sonst im Dunkeln – Ja! Das fand sie sehr freundlich.
Am Freitag durfte man, anders als beim letzten Mal, in Mercedes` Haus keine Sachen am front desk zwischenlagern. Vielleicht wegen der vielen Weihnachtspakete oder weil die Geduld der doormen einfach irgendwann erschöpft ist. Die Lampen durften also nicht herumstehen und das hatte zur Folge, dass ich alle drei auf einmal mit dem Kinderwagen nachhause karren musste. Mercedes und ihr Mann halfen noch nach Kräften mit, die sperrigen Dinger auf den Kinderwagen zu balancieren. Das Baby trug ich im Tuch. Wo ich denn hinmüsse, fragten die Argentinier besorgt. Ich gab meine Straße an, allerdings nicht die Nummer, um zu verschleiern, dass das genau am anderen Ende der Insel war. Ich wollte nicht zu hilfsbedürftig wirken, schließlich hatten die beiden gerade genug eigenen Stress und ich kannte sie ja gar nicht. Genau genommen sah ich sie zum ersten Mal – trotz Staubsauger und einem Haufen Mails.
Besser und schneller als gedacht schaffte ich den Heimweg. Gleich mailte ich Mercedes ein Bild von dem merkwürdigen Gespann bei der Zieleinfahrt. Die Betreffzeile lautete „I made it!“. Mercedes Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „I knew you will, super mom.“

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