(33) (34) Wie geht Einkaufen – hier? – Oder: Heute „Zwei für eins“!

Über das zweifelhafte Vergnügen hierzulande einzukaufen, habe ich bereits berichtet, aber ich bin noch lange nicht fertig. Wer das nicht mehr hören kann, springt schnell zu (35).
Wie geht einkaufen auf Roosevelt Island? Gar nicht. Der einzige richtige Supermarkt, den es hier gibt, wird zwar regelmäßig von Residents frequentiert, aber ich habe den Verdacht, dass sie sich dort nur die Weihnachtsdeko ansehen. Ich persönlich kaufe auf der Insel nur Wassergallonen und ab und zu noch eine Kleinigkeit, die das Ganze vielleicht nach einem echten Einkauf aussehen lässt: Ein Stück frischen Ingwer, eine Packung Spinat.
Aber dank der geliebten Zugbrücke, die gut und gerne für die alte Volksbank-Weg-frei-Werbung Modell stehen könnte, habe ich im Stadtteil Astoria/Queens jede Menge Supermärkte zur Auswahl, die nicht mehr un-bezahlbar, sondern nur noch teuer sind. Übrigens haben viele Geschäfte rund um die Uhr und rund um die Woche geöffnet. Pausenlos teuer!
Ist man erstmal in so einem Laden, ist es immer verdammt eng. Alle Waren werden hoch gestapelt, weit oben befindet sich Leichtes und Sperriges wie WC-Papier und Küchenrollen oder Plastikbehälter (über „storage“ muss ich gesondert schreiben). Die engen Gänge enden meist als Sackgassen, denn unnötige Verbindungen zu Nachbargängen bedeuten Platzverschwendung, die man effektiver zum Auftürmen von Lebensmitteln nutzen kann. In diesen Labyrinthen kann man viel amerikanische Konversation üben: Sorry, excuse me, thank you, you´re welcome, sorry, hi, how are you, sorry, god bless you, beautiful baby, sorry, thank you.

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Seventeen – Oder: Seventy?

Natürlich nimmt man sich in New York alles, was man kaufen möchte, einfach aus dem Regal. Außer Zahnpasta. Hygieneartikel werden stets separat verkauft. Aus einem Schrank, hinter einem Verschlag oder aus einem Kabuff heraus. Warum? Keine Ahnung! Aber an so einem Verschlag entspann sich einmal folgender Dialog:

Hi, how are you – can I help you?
– I would like some toothpaste, please!
Which one?
– The cheapest one, please!
The cheapest price or the cheapest one in general?
– In general.
This one…xxysevenxyx (reicht mir die Zahnpsta über die Theke) Have a nice day.
-Thank you (ziehe verwirrt ab)

An diesem Punkt überlegte ich nämlich, ob ich „seventeen-dingsbums“ oder „seventy-dingsbums“ gehört hatte. Das Preisschild konnte ich nicht richtig lesen: $ 17,90 oder $ 1,79. Und da habe ich mich gefragt, ob es sein kann, dass die Zahnpasta 17 Dollar kostet. Ich wusste einfach nicht mehr, was in diesem Land normal ist, hatte jedes Gefühl dafür verloren, was Dinge kosten können. Bemerkenswert war: ich grübelte, ob ich die Zahncreme gegebenenfalls trotzdem nehmen würde! Natürlich stellte sich bei Rückkehr zum Verschlag und Nachfrage heraus, dass es doch $ 1,79 war. Aber wer schon einmal einen Collegeblock für 12 Dollar oder eine WC-Papier-Rolle für $ 2,99 gesehen hat, hält vieles für möglich.

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Beim Anfahren der Kasse sehe ich immer erst nach, ob der Kinderwagen bei dieser Kassenzeile überhaupt durchpasst, sonst habe ich am Ende umsonst angestanden. Die Kassierer sind stets freundlich und bemüht und packen gerne jeden Gegenstand einzeln in Doppeltüten ein. Mülltüten mussten wir darum noch nie kaufen.
Manchmal steht an der Kasse ein Spendenkässchen. Anfangs dachte ich, dies sei für mittellose Beamtinnen in Elternzeit – tatsächlich ist es aber für die Kassierer. Das erinnert mich an die Zeitungsnotiz, nach der die Warenhauskette „Walmart“ in den letzten Jahren angeblich einmal Körbe aufgestellt hatte, in welche die Kunden gekaufte Waren als Spende ablegen konnten – nicht für die Tafeln, nicht fürs Tierheim, sondern für die Mitarbeiter. Kam nicht so gut an. Aber ich habe hier so etwas zum Glück noch nie gesehen. Das Kässschen ist wohl schlicht für Trinkgeld gedacht.
Am Ende des Bezahlvorgangs schlagen sie noch die „Tax“ drauf –  aber halb so wild, die können sogar wir uns leisten – sind so etwa 8 % , und nur auf manches.

Das war also Einkaufen. Mein Resümee: In Deutschland sind Lebensmittel zu billig. Und ich werfe kein Essen mehr weg. Gar keins.

christmas
Gesalzene Preise, hübsch dekoriert.
Supermarkt auf Roosevelt Island

kosmetikimladen
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