(39) Mishu – Oder: Breakfast, dinner, lunch

Ich habe eine neue Freundin, sie wohnt direkt nebenan und heißt Mishu. Ihre Zuneigung zu mir hat entscheidende Sprünge gemacht, als ich eine kleine Blechdose für sie öffnete. Das geliebte Extra zu dem, was der wohlprogrammierte Futterautomat ausspuckt zu „breakfast“, „dinner“ und „lunch“. Mishus Augen funkeln tagsüber blau, bei Dämmerung rot. Ihr Fell ist beigefarben und ihr Charakter vertrauenselig. Mishus Besitzer sind über Weihnachten in Deutschland. Mit einer Arbeitserlaubnis  könnte man sich auf der Insel dieser Tage mit Katzensitting eine goldene Nase verdienen, das business hat derzeit Hochkonjunktur. 

Was Mishu wohl macht,Tag und Nacht alleine in der Wohnung? Sie kennt nur diese Wohnung. Ob sie heimlich ins Schlafzimmer schleicht, sich trotz ihres nicht ganz unerheblichen Gewichts durch das Türgitter drängt? Auf dem Bett throhnt? Ob sie sich die Lichter am anderen Flussufer ansieht? Ob sie traurig ist?
See you tomorrow, Mishu! 

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Alberto Giacometti: „Cat“; Metropolitan Muesum of Art