(41) Nice to meet you – Oder: Looking forward to seeing you again

Dass Amerikaner gerne smalltalken, ist hinlänglich bekannt. Besonders auffällig ist das beim Personal rund um den „front desk“, der unserem bescheidenen Dasein täglich den scheinbaren Glanz eines Hotelaufenthaltes verleiht.

Ein Mann, zu dessen Aufgaben Reinigung und mehr gehören, unterbrach seine Polierarbeiten am Aufzugspaneel, grüßte und fragte mich unter anderem nach meiner Apartmentnummer. Da wir frisch eingezogen waren, musste doch sicher irgendetwas kontrolliert oder repariert werden. Ich fragte, ob sie jetzt ins Apartement hinein wollten oder später und was ich tun müsse. Es stellte sich allerdings heraus, dass er sich einfach nur unterhalten wollte. Wenigstens habe ich mir nun seinen Namen gemerkt.
Vormittags hat am front desk meist eine bestimmte Dame Dienst. Täglich ruft sie mir zu: „Good mornig, how are you, ok, all right, see you later, byyyyyyyeeeee“. Als ich das zum ersten Mal hörte, wunderte ich mich schon etwas. Waren wir denn noch verabredet? Es ist schlicht der unerwart herzliche und freundschaftliche Ton, der diese scheinbare Verbindlichkeit erzeugt. An einem anderen Tag hörte ich sie sagen: „Aaah, you´re talking to your mom…“ Hat man denn überhaupt keine Privatsphäre in diesem Haus?, ärgerte ich mich. Woher wusste sie denn nun, dass ich gerade noch ein Fax mit meiner Mutter ausgetauscht hatte? Sie muss das blanke Entsetzen in meinem Gesicht gesehen haben, denn sie begann zu erklären: Ihre Bemerkung bezog sich lediglich auf das unzufriedene Krähen meines Sohnes, das im Untergeschoss weithin zu hören war.
Nice to meet you! Was haben sich die Leute hier schon gefreut, mich zu treffen. Wie gut, dass ich extra aus Deutschland gekommen bin…!
Man mag nun sagen, die Amerikaner sind halt oberflächlich. Aber muss man das so kritisch sehen? Es ist einfach ein höheres Energieniveau, vielleicht bessere Umgangsformen. Ich erinnere mich an die Lebensberichte eines autistischen Autors namens Peter Schmidt (z.B. „Ein Kaktus zum Valentinstag“). Als Geologe ist er immer gerne gereist. Weniger um Menschen zu  begegnen, als vielmehr um Straßen zu  „sammeln“. In den USA kam er, wie er sagt, stets bestens zurecht. Die Amerikaner dachten: Der ist halt Deutscher!, und sie hatten damit eine schlüssige Erklärung  für sein Verhalten gefunden.
Ich bin den Amerikanern oder den amerikanisch sozialisierten Menschen dankbar. Für alle aufgehaltenen Türen – im eigentlichen wie im übertragenen Wortsinn. Ich bin dankbar dafür, dass sie das Gespräch am Laufen halten, solange ich es noch nicht kann und dafür, dass sie sich freuen, mich zu treffen. Ich freue mich auch hier zu sein. Manchmal. Immer öfter.

frontdesk
It was nice to meet you at the front desk!
I was looking forward to seeing you again but you weren´t there.