(43) Welcome home – Oder: All resume normal posture (Alle gehen inzwischen von einer natürlichen Empfängnis aus)

Es ist mir ja auch peinlich, aber mein Baby schläft durch. Schön länger, aber das will keiner wissen. Mein Mann schläft auch durch und dieser Umstand gab mir die Freiheit, am Heiligen Abend ganz allein die Mitternachtsmesse in der „Kirche des guten Hirten“ zu besuchen. Das war der friedlichste Moment meines Tages

Es ist nicht die Kirche mit den Kerzen zum Anschalten, sondern eine mehr oder weniger traditionell gebaute, wenn auch beide Einrichtungen zusammengehören. Als ich mich in mildester Dezemberluft der Kirche näherte, funkelten ihre Fensterscheiben und, weil ich zu spät kam, war auch schon eines meiner Lieblingsweihnachtslieder zu hören. Ich betrat die Kirche und es war taghell. Der schöne Raum war bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Die Messe war katholisch mit allem Pipapo, mit Glöckchen und mit Wandlung. Fast genauso wie in Deutschland, soviel weiß ich, obwohl ich Protestantin bin. Mit Ministranten (auch ein Mädchen), die kaum mehr die Hände aneinander halten konnten. Ich mag am katholischen Ritus nicht alles, aber den Friedensgruß. Ich mochte auch den Pfarrer. Es gab keine Kanzel und zur Predigt trat er in den Mittelgang. Selbst wenn es eine Kanzel gegeben hätte, hätte er sie sicher nicht genutzt. All denjenigen, die schon lange nicht mehr da waren, vielleicht seit der letzten Weihnacht oder seid Ostern, möchte er sagen: „Welcome home“. Er schien das auch so zu meinen. Ansonsten wickelte er die Messe ebenso zügig wie würdevoll ab und kam bald zu einem Ende. Dieses Mal kraft Amtes gesegnet, trat ich auf die Straße und machte mich auf den Heimweg. Zuhause herrschte stille Nacht.

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Zuhause wird nicht gelogen: Nizänisches Glaubensbekenntnis
mit kursiver Randnotiz „All resume normal posture“
(„Alle gehen inzwsichen von einer natürlichen Empfängnis aus“)

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