(46) Weitreichende Verantwortung – Oder: Rücksicht auf Rückenlage

Neulich im Aufzug. Wir wollten ins Erdgeschoss fahren, er hielt aber schon vorher. Oh, wir sind ja noch gar nicht ganz unten. Schnell wieder eingestiegen. Entschuldigung, sagte die  mitaussteigende Dame beinahe verlegen, ich hätte Sie fragen sollen, wo Sie hinwollen. Klar, die ist schuld, dass wir falsch sind. Wer denn sonst!

Sobald man mit jemandem irgendwie zu tun hat, ist man auch für sein Wohl verantwortlich. Auf unserem „neuen“ Babyschlafsack ist vorne aufgestickt „back is best“. Ist das eine Marke? Nein, das soll ungefähr so viel heißen wie: „Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass bei Rückenlage Ihres Säuglings ein plötzlicher Kindstod seltener auftritt. Wir möchten sie als Käufer und Nutzer dieses Schlafsacks gerne daran erinnern.“ Ungeschickt aber auch hier wieder: Diesen Hinweis hätte man doch besser auf der Rückseite des Nachtgewandes appliziert, damit er bei falscher Anwendung ins Auge sticht! Oder sollte es doch nur eine Verkaufsmasche gewesen sein?
Rückenlage kann Babyleben retten. Kosmetische Einschränkungen sind dabei allerdings in Kauf zu nehmen. Lokaler Haarverlust, schlimmstenfalls sogar eine platte Stelle am Kopf sind die beinahe unvermeidlichen Begleiterscheinungen von „back is best“. Davor hat uns wieder keiner gewarnt, aber was soll´s.
Ich warte nun noch auf einen Fernseher, auf dessen Fernbedienung steht „Sehen Sie lieber nur Tiersendungen“ oder ein Auto, dessen Lenkrad den Hinweis birgt: „Fahren Sie doch am besten ins Grüne.“

schlafsack