(66) Sorry for beeing rusty- Oder: Wellnesstrip für eine Backform

Im Family´s Network fragte Fernanda del Bosque Nieto (Name geändert), ob jemand helfen könne. Sie backe am Wochenende für andere Leute und benötige – außer ihren beiden eigenen – ein bis zwei weitere Kastenformen. Natürlich würde sie auch ganz doll drauf aufpassen. Das fand ich super, endlich konnte ich mal jemandem aushelfen, und sei es mit meiner ollen Brot-Backform. Man erlebt ja sonst nicht so viel Aufregendes den ganzen Tag über.
Gerne antwortete ich Fernanda und stellte ihr mein Exemplar vor – mittels Foto. Ich entschuldigte mich nach amerikanischer Art für den kleinen Rostfleck, den das Blech neulich angesetzt hatte (kommt davon, wenn man es in die Spülmaschine packt). Und natürlich: wenn ich nicht auf meinen Hausrat aufpassen kann, muss ich mich bei Fernanda entschuldigen! Das wäre ja noch schöner, wenn jeder rostige Sachen zuhause hätte und sie gar nicht mehr adäquat verleihen könnte. Noch am selben Abend kam Fernanda und holte die Form. Sie würde sie Montag beim front desk hinterlegen, versprach sie.
Am nächsten Mittwoch backte ich Brot. Die Brötchen, die ich zuvor aus naheliegenden Gründen ausprobiert hatte, waren nicht so lecker wie erhofft. Da wollte ich doch lieber wieder auf die Form zurückgreifen. Am front desk war nichts zu finden. Ich schrieb Fernanda, die auf der Plattform längst wieder mit anderen produktiven Dingen zugange war. Das sei ihr aber jetzt wirklich peinlich, sie schäme sich ganz arg und überhaupt! Ist  nicht schlimm, sagte ich. Das war es auch tatsächlich nicht, denn wer Tee in der Salatschüssel kocht und Wäsche an Stehampen trocknet, benötigt um Brot zu backen nicht zwingend eine Backform.
Am nächsten Tag hatte ich das gute Stück wieder, meine „loaf mold  with a little stain of rust“. Sie hatte Fernanda gute Dienste geleistet. Der Rostfleck sei überhaupt nicht schlimm und die Form sei jetzt  „hand wasched and towel dryed“, was sie ja gar nicht gewohnt ist. Ein Tübchen Spezial-Handcreme für extra-kaltes Wetter kam als Dankeschön obendrauf. Und ein Briefchen auf einer Visitenkarte mit dem wohlklingenden Namen.
Sie schulde mir einen Gefallen, schrieb Fernanda. Ja, unbedingt schuldet Fernanda mir einen Gefallen. Vielleicht leiht Sie mir ja ihrerseits mal eine Teekanne, ich würde sie nehmen, selbst wenn sie einen Sprung hätte. Falls sie keine Teekanne hat, würde natürlich auch eine zweite Salatschüssel weiterhelfen. Für den Gefallen, den ich ihr dann wieder schuldig werde, könnte ich ihr eine Lampe leihen, falls sie mal viel Wäsche hat.

mold