(73) mit ohne – Oder: Man ist, was man (nicht) isst

Joghurt ohne Fett, gemacht aus Milch ohne Fett – das ist doch einigermaßen absurd. Das erinnert mich an vergangene Café-Ausflüge mit der Lebenshilfe, wo manch Teilnehmer gerne „gemischtes Eis“ bestellte, „aber ohne…“ und es folgte eine Aufzählung nahezu aller verfügbaren Sorten.
Manche Dinge bedingen sich eben gegenseitig, man kann das eine ohne das andere nicht haben, so wie Müttersport und Muskelkater oder Life Science und spät nach Hause kommen. Milch und Fett ist auch so etwas, fürchte ich, und darum ist Joghurt ohne Fett auch leider Joghurt ohne Geschmack. Aber die Rezeptur für guten Joghurt scheint hier ohnehin nicht zuhause zu sein (noch weniger hat Quark hier eine Heimat, es gibt ihn nicht einmal ohne Fett). Ich glaube übrigens nicht, dass Fett im Joghurt dick macht. Bei den drei Teelöffeln Zucker, die so ein Becher enthält, bin ich mir allerdings nicht ganz sicher. Aber die Menschen beruhigt es eben, wenn etwas „ohne“ ist.
Und um noch einmal auf die Lebenshilfe zurückzukommen (die nichts mit Amerika zu tun hat, außer dass sich mir hier wie dort neue Welten eröffneten): Eine Teilnehmerin, die immer sehr genau wusste, was sie wollte, legte auch großen Wert auf ihr persönliches „ohne“, nämlich ohne vegetarisch. Mit vegetarisch kam ihr partout nicht auf den Tisch.

fatfree
Von wegen „mit Sahne-Joghurt hinein ins Weekend-Feeling…“
Im Kühlregal von New Yorker Supermärkten eher die Regel als die Ausnahme: Joghurt ohne Fett.