(77) Dingdong! – Oder: Hier ist dein Einkauf

Heute musste ich etwas machen, was mich Überwindung kostete: mir den Einkauf nach Hause liefern lassen. Zwar suchte ich vor Ort alles selbst aus, jedoch nahm ich es nicht mit. Ich wusste einfach nach bestrittenem Hinweg: den Rückweg würde ich möglicherweise auch noch schaffen, aber nicht mit Gepäck. Die Straßen und Gehwege waren nach dem Wintereinbruch vom Wochenende inzwischen geräumt, jedoch mit gewissen Unterbrechungen. Bei jeder Straßenkreuzung – und derer gibt es viele – traf ich auf  eine Schneemauer, eine Pfütze oder einen schmalen Hohlweg, durch den wir schlicht nicht durchpassten. Mehrmals musste ich kehrt machen, den Kinderwagen mithilfe anderer Bürger über Schneehügel hieven oder durch trübes Eiswasser waten. Langsam beginne ich zu verstehen: Warum im Katzensitting-Haushalt modisch gemusterte Gummistiefel im Flur standen, warum die Mutter aller Inselmütter es ein bisschen verrückt fand, dass ich heute, 48 Stunden nach gefallenem Schnee, nach Astoria zum Shoppen gehen wollte.
Die Zeit war  heute reif, „grocery delivery“ in Anspruch zu nehmen. Formal wusste ich es schon lange, aber glauben, fassen und begreifen kann ich es bis heute nicht: dass es nichts kostet (außer Trinkgeld). Dies gilt für einen Mindestwarenwert von $40, aber das ist das geringste Problem. Sollte man aus irgendwelchen Gründen nicht auf den Betrag kommen, zum Beispiel, weil man nur schnell ein Päckchen Eier braucht, dann nimmt man einfach noch einen Collegeblock dazu, dann reicht es auf jeden Fall.

hohlwegDas Bild soll nicht zeigen, dass das Auto
über „Rot“ fährt, sondern dass der
Weg ein bisschen eng ist

pfuetzeHier sind nicht meine Versen zu sehen, sondern meine Fußspitzen –
wären sie nicht unter Wasser.

 

Die Kassiererin schreibt auf:
1 Kiste, abgefertigt um 3:51 pm sowie die Adresse
…dann noch die Lieferadresse ins Büchlein

Für Sven G.