(109) Spielend Kasse machen – Oder: Kunde Kind

New York City ist, man mag es kaum glauben, bestens eingestellt auf Kinder. Insbesondere auf das Geschäft mit ihnen. In Manhattan findet man diverse „Kids´ Gyms“, also  Fitnessstudios für die Kleinsten. Dort kann man Kindergeburtstag feiern oder auch einfach nur einzelne Stunden buchen, schon im Krabbelalter. Auch die gescheiten Mütter (und ich kenne ausschließlich solche) gehen mit ihren Kindern dorthin. Irgendwo müssen sich die Kleinen ja mal bewegen und ordentlich herumtollen dürfen! Natürlich kannte ich Indoor-Spielplätze schon zuvor. Das waren Hallen. Wo das Bällebad tief, die Rutsche lang und das Klettergerüst hoch war. In Manhattan fällt das alles etwas knapper aus, Geräumigkeit wird allenfalls durch Wandspiegel erzeugt. Auf engstem Raum ein Haufen Kinder, dazwischen Animateurinnen in Regenbogen-Batik-Shirts und eine Horde Eltern, die ihr Smartphone in die Luft halten. Da kommt Stimmung auf!
Wer weniger Wert auf Bewegung legt, kann seine Kinder zu kreativen Handlungen animieren: im Kids´ Art Center. Kreativ sein von 5.30 pm bis 6.15 pm. Und dann Tschüss. Macht 50 Dollar. Beim Family´s Network kostet das Basteln übrigens nichts, aber das nur nebenbei.
Als gefragter Tipp unter Müttern, die keine Zeit für Theater haben, gilt der Kinderfrisör. Da darf das Kind eine DVD wählen, die in den fest installierten Player samt Bildschirm neben dem Spiegel eingelegt wird. Anderswo hampeln eigens angestellte Spaßvögel um die kleinen Kunden herum, die in einem Polizei- oder Feuerwehrauto sitzen. Alles nur um den Kleinen die Zumuntung Haarschnitt erträglich zu machen. Ach, das ist gar kein Spielwarengeschäft, sagt der Lifescientist im Vorrübergehen. Das kann man schon mal verwechseln.
Warum es so etwas in Deutschland nicht gibt? Sicher nicht, weil es keiner braucht, sondern eher, weil es dort zu viel kostet, Menschen für das Kinderbelustigen zu bezahlen. Dieser Haarschnitt wäre dann wirklich horrend teuer.
Auf Roosevelt Island schneidet und unterhält der Frisör noch selbst und die Mutter aller Inselmütter hat außerdem 10 Prozent Rabatt für Mitglieder des Family´s Network rausgehauen. Also für alle eigentlich. Auch sonstige Extra-Angebote für Kinder fehlen auf der Insel.
In Anspielung darauf schrieb ich neulich meine Playdate-Mütter an. Wir hatten keine genaue Uhrzeit für unser Treffen ausgemacht. Das Schlafverhalten, ihr wisst schon. Nur, dass das Treffen bei mir sein sollte, war klar. Um die Mittagszeit schrieb ich: „The Roosevelt Island Baby Gym is open to public from now on“. Sollte heißen: Ihr könnt ab jetzt kommen. Ich wollte witzig sein. Das klappt nie. Die Antwort dauerte ein wenig. Dann war zu lesen: „Where is that?“

KinderkommerzEin typisches Kids´Gym:
Wer genau hinsieht, findet den Spiegel und kann die wahre Größe des Raumes abschätzen.