(93) Places for playdates – Oder: Antizugluftfolie

Neulich war Playdate bei Frau Life Science. Was für ein seltsames Wort. Unsere Kinder können noch nicht einmal reden, und haben schon Termine wahrzunehmen. Vielleicht eher ein Mom Date, aber was soll´s. Und dass sich die Kleinen gerne gegenseitig angrinsen oder beim Händchenhalten erwischen lassen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Wir haben übrigens auch oft ein Playdate im Badezimmer! Direkt über dem Waschbecken sitzt immer so ein  sympathisches Kerlchen, das jedes Lächeln unermüdlich erwidert.
Es ist immer wieder spannend, wer unten am front desk das Besucher-Buch signieren und über den Anlass des Aufenthalts, also „Playdate“, Auskunft geben muss und wer nicht. Das gibt immer wieder Anlass zu Spekulationen. Sehe ich so harmlos aus, ehrlich? Oder: Warum immer ich?
Jedenfalls wurde mein Apartment als geeignet für Playdates eingestuft. Meine chinesische Mutterkollegin wohnt bis auf Weiteres in einem Studio und zwar aus gutem Grund: sie kann rechnen. Für einen anderen Zweck als für Playdates und Besuch braucht man nicht dringend eine größere Wohnung. Ihr Mann ist ohnehin immer bei der Arbeit, manchmal so lange, dass sie in Zweifel gerät und sein Handy (genau dort) ortet. Eine andere Mitmutter klagt über Zugluft vom Fenster ihres Zuhauses, das mache den Boden fast zu kalt zum Spielen. Angesichts der überschaubaren Zugluftentwicklung in meinen vier Wänden bin nun entschlossen, mein Apartment zum internationalen Mütterzentrum auszubauen und habe darum begonnen, Stühle auf dem Spermüll zu sammeln.
Apropos Zugluft. Da hat die Chinesin, die schon lange hier lebt, einen Tipp. „Kauf dir doch Antizugluftfolie, dass gibt´s bei Mamazon“. Antizugluftfolie, was ist denn das? Ach die spannt man über die Fenster, d.h. insbesondere über die Nahtstellen? Also praktisch über die gesamte Fensterfront? Ja sieht den  das nicht komisch aus? Die Mütter schauen mich verwundert an. In Anbetracht meines Interieurs aus dem internationalen Moving Sale, vermischt mit Kuriositäten aus dem Thriftstore und dem Gerümpel vom Sperrmüll hatten sie eine solche Frage wahrscheinlich von mir am wenigsten erwartet.
Hauptsache ist doch, es funktioniert, sagt die Antizugluftfolienbenutzerin. Stimmt. Später lese ich, dass die Folie mithilfe eines Föns in eine gewisse Spannung versetzt wird und  tatsächlich kaum zu sehen ist. Das Fenster, das man noch gelegentlich öffnen möchte, muss man natürlich aussparen. Ansonsten scheint das aber eine gute Sache zu sein mit der Antizugluftfolie. Fast so gut wie eine solide Bauweise.

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Marcel Duchamp: Fresh Window (1920)
gesehen im MoMa New York