(113) Eine gute Idee – Oder: It was not quite so nice to meet you

Wir hatten eine super Idee. Ich hatte eine super Idee. Dachte ich. Die Oma hat nämlich bald Geburtstag. Was könnte man schicken? Etwas Flaches! Alles andere zieht immer Versandkosten von  $ 22,50 oder mehr nach sich. Ein Foto? Naja. Eine Original-Zeichnung vom Baby? Super! Bestes Oma-Geschenk überhaupt. Zumal der Central Park voll ist von mehr oder weniger verkrachten Künstlern, die Touristen zeichnen.
Deshalb zogen wir an einem Sonntag los und sprachen den erstbesten Zeichner an. Nun war es aber so, dass das Baby – was für ein Zufall – ausgerechnet in dem Moment schlief. Auf dem Rückweg sollen wir nochmals vorbeischauen, dann vielleicht mit wachem Baby.  „Es kostet 30 Dollar“, sagte der ältere Herr und schrieb mit dem Finger eine „30“ in seine Handfläche. Verstanden! „Der Preis ist in Ordnung“, dachten wir uns und ließen die anderen Künstler ungefragt links liegen. Er würde vielleicht ein Foto benötigen, weil Babys ja nicht ruhig sitzen können, hatte er noch gemeint. Ob er vom Smartphone abzeichnen wollte? Wir wussten es nicht. Aber wir könnten ja ein anderes Mal mit einem Foto wiederkommen.
Auf dem Rückweg trafen wir den Herrn wieder an, nun in Begleitung eines anderen, den er als seinen „Lehrer“  vorstellte. Das war sympathisch, weil das Altersgefälle zwischen den beiden eher den umgekehrten Fall nahelegte. Aufgrund seiner überlegenen Zeichenfähigkeiten sei es diesem Mann nun sogar möglich, das Zappel-Baby „live“ auf das Papier zu bannen. Also legten wir los. Der Zeichenschüler übernahm so lange den Smalltalk.
Nach 20 Minuten zeigte das Ergebnis ein nettes Baby, das dem unseren nur bedingt ähnlich sah. Wir vermissten die geliebten Pausbäckchen. Aber vielleicht wollte der Herr Zeichennlehrer alle Merkmale meiden, die das Ganze nach einer Karrikatur hätten aussehen lassen könnten. Unser Risiko, das mit der Ähnlichkeit und wir wollten das Kunstwerk gerne bezahlen. Ein Trinkgeld wäre auch noch dringewesen.
Die Herren packten die Zeichnung in einen Papprahmen und in Klarsichtfolie, beides riesig im Ausmaß. Das kostete nun 20 Dollar obendrauf. Wir sahen uns an. Ausschweifende Maße war genau das, was wir NICHT gebrauchen konnten. Außerdem wollte der uns ganz klar über den Tisch ziehen! Bitte ohne Rahmen! Da wurden die Herren böse, alle beide. Ohne das Passepartout ginge auf gar keinen Fall, wir könnten das Bild gleich in den Mülleimer schmeißen. Das Bild von  unserem Schatz in den Mülleimer?? Also sowas. Wir fühlten uns schlecht, ärgerten uns über diese beiden Typen, zahlten aber den gewünschten Betrag. Man verabschiedete uns lieblos, wie nach einer schweren Beleidigung.

„Looks weird“, sagt meine Ko-Mutter zur Zeichnung, und dass sie das mit dem Rahmen alle so machen würden, man könne aber verhandeln. Außerdem könne man mit einem Bildbearbeitungsprogramm aus einem Foto eine Zeichnung generieren und diese per Email nach Deutschland schicken. For free.
Zeichnung