(116) Kultur-SCHOCK-olade – Oder: Eisfabrik

Was man nicht alles selber machen kann, ich staune immer wieder: Mascarpone – mithilfe von Sahne und Zitronensaft sowie einem simplen Kochtopf. Nudeln – sogar ohne Nudelmaschine. Nutella – mit dem Rührgerät. Und Kartoffelchips – in der Mikrowelle. Das alles probiere ich vielleicht demnächst.
Selbermachen ist total unamerikanisch irgendwie. Eine rohe Kartoffel ist in New York auch fast schon teurer als eine Portion Fritten mit Ketchup samt Cola am Straßenrand. Aber es macht trotzdem Spaß ab und zu etwas selbst herzustellen.

Wir haben dieser Tage Speiseeis zuhause produziert. Mit der Eismaschine von der Mutter aller Inselmütter. Leihen ist das neue Kaufen, Trendforscher wissen es längst! Während die Besitzerin der Eismaschine einen  Familienurlaub in der Dominikanischen Republik genoss (nur 4 Flugstunden von hier in die Karibik) und die Mitnahme einer Eismaschine sich im Fall von „all inklusive“ erübrigte, eröffneten wir hier eine kleine Eisfabrik.

„Homemade Vanilla Ice Cream“ besteht aus nur drei oder vier Zutaten und schmeckt fantastisch. Mehr Zutaten – und bereits verarbeitete – benötigt an für „Peanut Butter Cup -Eis“. Es ist eine Sünde wert.

„Reese´s Peanut Butter Cups“ sind so eine Sache. Sie waren die erste landestypische Schokolade, die ich im Inselladen erstanden habe, sie schien bezahlbar,  doch es war ein Schock. Ich weiß noch, wie ich in den ersten USA-Tagen mit einer Tasse Kaffee und „Reese`s Peanut Butter Cups“ alleine im Apartment saß und dachte: Wo. Bin ich. Hier. Gelandet.  Nicht nur der Schokolade wegen, aber auch. Durch und durch salzig. Eiskonfekt mit Erdnussflips. Gegessen habe ich das trotzdem, am schwarzen Esstisch neben dem schlafenden Kind, mich selbst von irgendeiner banalen sozialen Interaktion erholend. Ich konnte anfangs immer nur eine Unternehmung am Tag verkraften. Eine Stunde Krabbelgruppe und ich war für den Rest des Tages erledigt. Da halfen nur noch schlechte Fernsehserien.

Wochen und Monate sind ins Land gezogen. Der Lifescientist hat aus geschmacklicher Überzeugung immer wieder „Reese´s Peanut Butter Cups“ nach Hause gebracht. Und, was soll ich sagen: inzwischen mag ich sie. Sogar als Eis.

reese
So schmeckt der Kulturschock: Eiskonfekt mit Erdnussflips