(134) ISO – Oder: 13 Minuten

Bald bekommen wir Besuch. Die große und die kleine Nichte, welche freundlicherweise ihre Eltern mitbringen. Aber keinen Auto-Kindersitz. Wenn man ein Auto leiht und für die Kleine einen Sitz dazu, kostet der Sitz 70 Dollar. Es wäre doch gelacht, wenn ich als ausgefuchste Schnäppchenjägerin nicht einen Car Seat für weniger Geld herbeischaffen könnte!

Es war noch etwas hin bis zum Trip, aber ich wollte schon einmal meine Fühler ausstrecken. Gedanklich ging ich meine zwei Lieblings-Thriftstores und ihr Sortiment durch (wobei das täglich wechselt) und überlegte, wann der verrückte Kirchenflohmarkt wohl mal wieder seine Pforten öffnen würde. Aber der erste Schritt war sowieso das Family´s Network. Ich schieb eine Mail: „ISO“, das heißt „in search of“, na was wohl: einem Autositz. Einige Zeit dachte ich selbst übrigens bei derartigen Betreffzeilen: „ISO, die Marke kenne ich gar nicht. Was die nicht alles herstellen!“ Aber man lernt ja täglich dazu.

Nach dem Versenden der Mail erhielt ich sie gleich selbst, denn ich bin ja auch Mitglied im Network. Und 13 Minuten später hatte ich einen Car Seat. For free.

Das Ding sei sieben Jahre alt, schrieb  die nette Person, aber „barely even been used“. „Kaum benutzt“ muss man in Sachen Autositz bei New Yorkern nicht als Floskel betrachten, denn die wenigsten Leute haben überhaupt ein eigenes Auto, auch diese Familie nicht. Den Auto-Kindersitz hat man nur für besondere Anlässe im Cupboard stehen. Zum Taxifahren oder so. Nach sieben Jahren sei das Ding offiziell abgelaufen, warnte mich die Vorbesitzerin. Aber die Nichte ist sicher, da bin ich mir sicher.

Und vielleicht braucht ja wieder mal jemand vorübergehend einen Car Seat. Mal sehen, ob ich die 13 Minuten noch unterbieten kann.

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