(135) Back to school – Oder: alleinerziehend

Der Forschernachwuchs wird später einmal Erinnerungsfotos von seiner New Yorker Zeit betrachten, und er wird  er jede Menge Fotos entdecken. Von sich und seinem Vater beim Wickeln, von sich und seinem Vater in der Badewanne, von sich und seinem Vater beim beim Spaziergang, beim Brei füttern usw. Und er wird fragen: „Papi, wie hast du das denn eigentlich alles geschafft als alleinerziehender Vater in New York und noch dazu die Forschung?“ Auf kaum einem Foto ist nämlich die liebe Frau Mutter zu sehen, sie ist hinter der Kamera. Zumindest abends und am Wochenende. Und zu anderen Zeiten ist es kaum möglich, beim Brei füttern auch noch einen Selfie-Stick in die Luft zu halten.

Dass man nicht immer jemanden zum Fotografieren findet, das hat auch die Schwiegermutter schon angemerkt, als sie das Familienfoto unterm blühenden Kirschbaum sah. Ihr könnt euch das ja vorstellen: Da hockt man Ewigkeiten im Central Park unter dem Baum, und nur wenn man Glück hat, kommt mal irgendjemand vorbei, ehe die Blüten abfallen.

Zurück zum Thema: Dass nun der Lifescientist am Samstag wirklich alleinerziehend war, davon gibt es keine Fotos. Dass er es aber im Bedarfsfall auch alleine kann, daran besteht kein Zweifel. Im Smalltalk mit anderen Eltern auf der Arbeit erhielt er vorab dennoch einen Tipp zu Beschäftigung des Nachwuchses, auf den er selbst nicht gekommen wäre: sich mit dem Baby eine altersgerechte (!) DVD anzusehen.

Frau Life Science musste sich ohne Kind in einer Schule vorstellen und dort hospitieren, ehe sie vom Fleck weg eingestellt wurde (Dass dies weniger an dem herausragenden ersten Eindruck lag, den ich hinterließ, sondern mehr an dem guten Wort, dass meine Nachbarin zu vor für mich eingelegt hatte, versteht sich von selbst). Jetzt darf ich also samstags eine Deutschstunde abhalten, als kleine Ergänzung für Schüler, die bereits eine Regelschule besuchen und die aus irgendeinem meist abgefahrenen biographischen Grund Deutsch lernen wollen. Ein wirklich schöner Nebenjob für mich, sodass ich nicht ganz aus der Übung komme. Herzlichen Dank, liebe Nachbarin!

Seit wir hier sind, hat es sich nie ergeben, dass ich für mehrere Stunden ohne Kind unterwegs war. Durch diese Schulsache war es endlich soweit und mir hat es gefallen! Mein Sohn hat sich auch beste Mühe gegeben, in meiner Abwesenheit ein wenig erwachsener zu werden. Am Abend lutschte er an meinem Finger und ich spürte einen Zahn.

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Schrankwand im Schulflur