(149) Neuentdeckung – Oder: First customer

Es gehen immer alle zum Spa oder lassen sich die Nägel richten. Interessiert mich jetzt nicht so. Aber endlich habe ich es mal zum richtigen Frisör geschafft, immerhin mal die Spitzen schneiden.

Ich hatte keinen Termin, sondern wir haben einfach einen Familienausflug nach Astoria gemacht. Beim Barber, zu dem der Lifescientist immer geht, gibt es Herrenhaarschnitte in shortmedium und long. Sie sind zu haben für 15 Dollar und in wesentlich weniger Minuten. Dargestellt werden die fancy Frisuren auf vergilbten Bildchen an der Wand.

Da Damen nicht abgebildet waren, vermutete ich, dass Frauen nicht zum angezielten Kundenkreis gehörten, aber nachfragen konnte man ja mal. „Sure we do female haircuts „, sagte der Herr. Und als ich Interesse gezeigt hatte, aber doch wieder auf die Straße trat, um weitere Absprechen im Familienrat zu treffen, wurde er beinahe handgreiflich, um mich im Laden zu halten. Ich möge doch bitte, bitte Platz nehmen. Okay, okay.

Wenig später kam von irgendwoher draußen, von der Straße,  eine Dame an, die sich für mich zuständig zeigte. Sie war nicht die Jüngste, sprach mit griechischem Akzent und trug langes und gepflegtes dunkelblondes Haar. Ob man sie zuhause vom Bügeln oder aus einem benachbarten Diner weggerufen hatte, weiß ich nicht, jedenfalls war ich an diesem  Samstagmittag ihre erste Kundin, wie sie sagte.

Sie besprühte die Haare, sie zu waschen bot sie mir nicht an. Mit Gewalt zog sie die Bürste durch meine spröden Haarspitzen, Auwa. Dabei erfuhr ich interessante Dinge von Leuten, die nach Chinatown zum Haare schneiden gehen, nur damit es noch ein, zwei Dollar billiger ist, aber die abgeriebenen Absätze und die verlorene Zeit haben sie nicht eingerechnet. Oder sie gehen irgendwohin, wo es „netter“  aussieht, wo jedoch keiner wirklich Haare schneiden kann. Dann kommen sie reumütig wieder zu ihr zurück und bitten sie, es wieder zu richten. Jeder, der eine Schere besitzt, meint heutzutage Haare schneiden zu können, warnte die Frisörin.
„You were fast“, lobte ich, als sie fertig war. „Cause I know what I am doing“, sagte sie, „thatsway I´m fast.“

Ich jedenfalls habe den perfekten Frisör gefunden. Günstig, ohne Termin, schnell, kein Gequatsche und kein Schönheitsdruck. Und ganz so kurz muss sie es beim nächsten Mal ja nicht machen.

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Ist doch auch nett hier, mit Blumen.