(151) Eine kleine Lästerei – Oder: Je ne regrette rien

Blogschreiber sind Blogleser. Ich lese natürlich auch andere (Familien-)Blogs. (Die schlechten aus Schadenfreude und die guten verrate ich nicht weiter).

Umgekehrt gilt es meist auch: Blogleser sind Blogschreiber.

Das  Besondere an meiner eigenen Leserschaft scheint mir jedoch, dass die Allermeisten selber nicht bloggen – soweit ich weiß. Obwohl, bei Ruths Oma bin ich mir nicht sicher.

Manche Blogger scheinen tatsächlich vor allem für andere Blogger zu schreiben. Deshalb veröffentlichen sie auch gerne Inhalte auf der Metaebene. Sie bloggen über das Bloggen. Ist das etwa, weil es an eigentlichem Inhalt mangelt? Eine Art Spekulationsblase des content?

Es gibt auch einen neuen Trend: „regretting bloggerhood“ (angelehnt an „regretting motherhood“ und wohl vor allem im Bereich der von mir gelesenen Familienblogs anzutreffen). Man ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob es richtig war, das Breigesicht, die Kackwindel, die Krankheiten, die Gummistiefel des Sohnes und  die Frage nach dem Elternsex mit Namensnennung  in die Welt hinausgepostet zu haben, sodass der Nachwuchs und seine fiesen Kumpel  es in 14 Jahren noch finden können. Ach das kann man nicht mehr löschen? Ne? Oh.

Oder die Blogger beschweren sich (beim Leser!) über den Stress, den sie mit dem Bloggen haben. Eine Heidenarbeit ist das! Es macht ihnen irgendwie gar keinen Spaß mehr. Sie brauchen mal ´ne Pause. Sie nehmen sich vor,  jetzt weniger zu bloggen. Und bloggen dies. Ob sie auch eine Art Kummerkasten für den Leser haben? („Immer muss ich dein Zeug lesen….“)

Sie präsentieren Konsumwelten – als Hauptinhalt. Sie tun das gerne auch (wirklich) ehrenamtlich. Ein T-Shirt mit Kirschenaufdruck, eine  bunte Schüssel, Kinderspielzeug. Schöne neue Sachen halt. Mit Mamazon-Link. Shopping  geht immer, in allen Lebenslagen. Es ist wichtig, andere an seinen Einkäufen teilhaben zu lassen. Die freuen sich dann ja auch.

New York – Blogs sind auch so etwas. Immer diese Listen. Was man hier alles machen muss. Listenpunkt 117:  „In Williamsburg in einem trendigen Café am Mac Book arbeiten“ (also schreiben; nicht wissen was). Immer muss man eine sehr ungerade Liste lang essen, Orte besuchen und bestimmte Dinge tun. Das Viele will geordnet werden. Die Reizüberflutung braucht Struktur. Man möchte partout nichts verpassen.

Soll ich euch ein Geheimnis verraten? Hier muss man gar nichts. Außer sein eigenes New York finden. Meines liegt hinter der kleinen Brücke, Manhattan im Rücken. Eures vielleicht ganz woanders.

Und falls ihr euch auch überlegt, einen Blog aufzumachen: Euren würde ich lesen wollen (aus Interesse, nicht aus Schadenfreude.)