(152) Süße Umgangsformen – Oder: Danke, dass ich jung sein darf!

So gut wie täglich bin ich auf der Insel oder in Astoria unterwegs um meine Besorgungen zu machen. Ein paar schöne runde Briefmarken, Babygläschen, Milchreis mit kyrillischer Kochanleitung oder mal wieder ein neues Mützchen, dessen Flugverhalten der Forschernachwuchs gerne untersuchen möchte (und zwar immer dann, wenn Mama und Amerika nicht gucken). 
In manch einem Shop sind Damen hinterm Tresen, die sagen immer Sachen wie:
„Hey, honey!“
„Can I help you, sweetie?“ oder
„Anything else, baby?“ 

Ich lasse mich schon lange nicht mehr durch diese Kosenamen irritieren. Weder denke ich, dass diese Frauen distanzlos sind, noch, dass ich ihnen besonders am Herzen liege. Es scheint vielmehr eine gewisse kommunikative Notwendigkeit zu bestehen, dass im Gespräch unter Frauen festgelegt wird, wer von uns beiden die alte Schachtel ist. Das „Honey“- Gesäusel ist also meist nett gemeint und markiert lediglich, dass ein nennenswerter Altersunterschied zwischen der Sprecherin und der Angeredeten besteht (oder behauptet wird). Schönen Dank auch.
honey
Hey, honeys!  – Einundzwanzig verschiedene Honigsorten im Inselladen, keine davon im Glas.
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Beim Kaffeeanbieter werde ich nicht „honey“ gerufen, sondern einfach beim Namen genannt.