(153) Ich und Stricken – Oder: Täglicher Rückblick

Es ist schon so eine kleine Community hier auf der Insel: Es gibt Baseball, Fußball und natürlich Müttersport, und öffentliche Feste folgen im Jahreslauf aufeinander. Santa Claus, Hanukkah, der Egg Hunt. Letzte Woche war der alljährliche Inseltag, mit allen möglichen Mitmachaktionen für Groß und Klein: Streichelzoo mit extralanger Warteschlange und extrakurzer Streichelzeit, Upcycling-Bastelspaß für Kinder und vieles andere mehr. Zum Blutspenden wurde aufgerufen, doch der Lifescientist, der schon Wochen vorher auf der Straße gecastet wurde, und der pünktlich in dem für ihn vorgesehenen Zeitfenster erschien, wurde wieder weggeschickt: Er ist halt Europäer. Sein Blut nehmen sie gar nicht.

Teil der Insel-Community ist auch der Knitting Circle, der sich immer donnerstagmorgens in der „Public Library“ trifft. Ich war mal da, ganz am Anfang. Mit einem sehr, sehr ruhigen Baby im Tuch und ganz viel Zeit. „Du und stricken?“, textete es aus Deutschland. Doch die Knitting Ladies waren zur angegebenen Uhrzeit gar nicht da – noch nicht, und als sie schließlich auftauchten, hatte mich der Mut bereits verlassen.

Stattdessen betrachtete ich die Buchauswahl in den Regalen, „deutsch“ fehlte bei „World Languages“, manch anderes schien in Englisch lesbar.
Später berichtete ich dem Lifescientisten von meinen Berührungsängsten. „Über den Punkt musste drüber gehen“, riet er, „sonst kommste ja nicht weiter“.

Über den Punkt bin ich dann noch oft drüber gegangen, manchmal gar zu weit. Genauso oft aber auch nicht. Beim Knitting Circle war ich nie mehr. Die stricken immer noch ohne mich. Und selbst wenn ich wollte: jetzt geht es nicht mehr. Der Forschernachwuchs ist besessen von Schnüren und Fäden. Das wäre ein heilloses Gezerre!

Aber ich denke immer wieder daran, wie es damals  war, wenn ich an der Auslage vorübergehe.

knitting1Der Knitting Circle präsentiert Strickbeispiele im Schaufenster der Bücherei.

knitting3.jpg