(154) Ver-PASS-t ! – Oder: See you… later

„Brother in Law“ nennt man den Schwager over here im Allgemeinen. Wie passend, denn mein Schwager kennt sich mit allem was „law and order“ ist bestens aus. Recht und Ordnung, Dokumente und Verwaltung, das ist genau sein Ding. Und auch alles andere was irgendwie kompliziert ist. Er wird immer gerne gefragt wenn jemand nicht weiter weiß. Gut, dass die NYC-Reiseplanung meiner Schwester und ihrer Familie in seinen Händen lag. Konnte ja nichts schiefgehen. Wirklich nicht?
Am Tag der vorgesehenen und lange ersehnten Anreise meines ersten Besuchs erhielt ich einen Anruf: Sie kämen heute nicht. Grund waren die Reisedokumente. Für die beiden mitreisenden Kinder lag jeweils ein sogenannter „Kinderreisepass“ vor, mit dem Aufdruck „für alle Länder“. Der war kein halbes Jahr alt und mit biometrischem Passbild. Die Eltern hatten jeweils einen normalen Reisepass.
Nun ist es so, dass die Kinder zusätzlich zum Reiepass ein Visum benötigt hätten, was sie nicht besaßen. Die Eltern hätten ohne ein solches reisen dürfen, weil nämlich nur der Kinderreisepass eine Schwäche hat: er ist nicht maschinenlesbar. Irgendwo steht das alles. Aber wo genau….?
Man ist eben sehr vorsichtig in diesem Land. Es könnte ja sein, dass mein sechsjähriges Patenkind oder meine 17 Monate alte Baby-Nichte terroristische Absichten hegen. „Buibah! Sisa!“, würde Letztere dazu sagen (wie zu vielem anderen),  aber sie wurde nicht befragt.
Meine Schwester kann einer Fernreise ohne Kinder durchaus einmal etwas abgewinnen, es war in diesem Fall aber definitiv nicht geplant. Der Flieger hob ohne sie alle ab. (War das eigentlich einer der Gründe, warum bei meiner letzten  Deutschlandreise ein leerer (!) A380 durch die Lüfte schoss?) Es liefenTränen, nicht nur bei den Kindern und es 
entstanden Umbuchungsgebühren im vierstelligen Bereich.Und jetzt, eine Woche später sind sie alle hier. Immer noch ohne Visa, aber mit  vier maschinenlesbaren Pässen. Der Forschernachwuchs heißt jetzt „Doktorle“ und hat ein „all around the clock play date“. Blogleser sehen selbst. Von der Dachterrasse kann man noch schönere Fotos machen als ich dachte. Guacamole geht auch mit fast unreifen Avocados. Vier große und kleine Leute mehr in unserer Bude. Irgendwer schläft immer. Alle haben Schuhe, gleich mehrere Paar. Wir ja auch und sogar die neue Barbie hat welche. Es bleibt nur noch wenig Platz, um mit den Kinderwagen zu rangieren. Aber das ist nicht wichtig. 
Kinderreisepass