(155) Nichts geht mehr – Oder: Some privacy

Ich wäre gerne eine coole New Yorkerin, die mit dem Kind unterm Arm ganz locker in der Gegend herumreist, bin es aber nicht. Ein lange geplanter Boston-Trip stresste mich irgendwie, das Koffer packen, die Aussicht auf mehrere Stunden Autofahren. Das Doktorle war auch nicht gut drauf, vielleicht hatte er sich den „stomach bug“ von der Insel eingefangen, irgendwas war komisch.

Ich stille immer noch, weil es schön ist, weil ich ohnehin nichts Dringendes zu tun habe und weil der kleine Schatz vom Obststückchen rumwerfen und Brei rumschmieren auch nicht immer so satt wird. Aber an solchen Tagen, wo sich die Mutter-Kind-Beziehung in einem gewissen Ungleichgewicht befindet, anders ausgedrückt: das Baby nervt, kann der Milchfluss schon mal ins Stocken geraten. Das geht dann schon – erstmal duschen, entspannen, abwarten und Tee trinken. Aber dieses Mal hatte es sich verfestigt. Ich konnte mich kaum mehr bücken, den kleinen Schatz hochheben und ich war absolut eingeschränkt. Nichts ging  mehr. So hatte ich das noch nie und ich hatte Angst, eine Brustentzündung zu bekommen. Daher kontaktierte ich lieber mal eine Fachärztin und ich bekam auch gleich einen Termin.

Am Empfangsschalter füllte ich mit dem kleinen Schatz auf dem Arm erstmal seitenweise Formulare aus. Nein, ich rauche nicht und Schnupftabak nehme ich auch keinen. Ich schnalle mich immer an und habe zuhause einen Rauchmelder. Auch trage ich stets einen Helm, wobei auch immer. Meine Ernährungsweise ist „regular“ – was das in diesem Land und in der heutigen Zeit auch immer heißen mag.

Endlich kam ich ins Behandlungszimmer. Eine freundliche Assistentin nahm mir das Doktorle ab. „Hi, how cute, sweet pie“, sie beherrschte die Baby-Anregungs-Kommunikation perfekt. Eigentlich mag der Kleine das, doch ganz so toll wie sonst fand er das in seiner aktuellen Stimmungslage nicht. Die gerade erschienene Ärztin fragte mich, ob ich das Untersuchungshemd benötigte. Ich hielt es in diesem Moment für zweckmäßig, dass man sich an de Stelle, wo  das medizinische Problem vorliegt, frei macht. Also lehnte ich dankend ab. Da dämmerte es mir, wie die Frage gemeint war: Als Aufforderung. Ich solle das Untersuchungshemd anstelle meines T-Shirts anziehen, weil es schlicht erforderlich war. Also machte ich Anstalten, das Hemd anzuziehen. „We will give you some privacy“, sagte die Ärztin und zog RATSCH, einen Vorhang zwischen mich und das Doktorle. Ich habe kein Problem, keinen Blickkontakt mit dem Baby zu haben, aber das Baby. Kräh!

Wir brachten die Untersuchung und Behandlung in Form einer für mich relativ schmerzhaften Druckmassage hinter uns. Irgendwann dann ohne Vorhang und irgendwann auch ohne Untersuchungshemd. Aber soll keiner sagen, wir hätten es nicht probiert, die privacy zu gewährleisten. Zur nachhaltigen Lösung meines medizinischen Problems wurden weitere Maßnahmen diskutiert, nicht ohne vorher nochmal nachzufragen, wie genau ich versichert  bin. Offenbar nicht ganz so schlecht, denn sie Ärztin wollte noch einen „Lactation Consultant“ hinzuziehen, eine/n LactationsberaterIn, erreichte diese Person aber nicht. Also ging ich erstmal so zurück in die Ferienwohnung. Dort merkte ich, wie sehr mir der Arztbesuch geholfen hatte. Und am Abend kam gar noch Urlaubsstimmung auf.

kompresse
Werden beim Knicken von selber heiß: Wärmekompressen