(159) Unzuverlässig: Oder – Rheologisches

Unsere Besucher nächtigen mit Flussblick. „Komisch: der Fluss fließt heute in die andere Richtung“, höre ich, kann aber mit dieser Aussage nichts anfangen. Ich äußere mich nicht dazu. „Der Fluss! Gestern floss er andersrum.“ Unser Gast gibt nicht auf. „Blödsinn!“ sage ich. „Doch, ganz sicher!“  (Sonst noch was? Es regnet nach oben? Und die Fische fliegen in der Luft, oder was? Hat da heute jemand schlecht geschlafen? Jetlag?)
Einige Tage später finden wir heraus: Es stimmt. Der Fluss fließt mal nach Norden, mal nach Süden. Und nächstes Mal erkläre ich, warum.

Nachtrag:
Ihr werdet es euch gedacht haben, dass es nur eine Erklärung geben kann: Es sind die Folgen von Ebbe und Flut, die für den Richtungswechsel sorgen. Nicht alles, was „River“ heißt, ein Fluss und der East River ist eigentlich ein Meeresarm des Atlantik. Wenn Ebbe ist, zieht sich das Wasser nach Süden und 
wenn die Flut kommt, schieben sich die Wassermassen in die entgegengesetzte Richtung. Magisch ist der Zeitpunkt des Wechsels. Der „Fluss“ scheint stillzustehen und es bildet sich eine merkwürdige Oberfläche, die im Sonnenlicht geheimnisvoll glitzert. Watch the transition!

flussFoto: Gretart

Dunkel war´s, der Mond schien helle, als der East River die Fließrichtung wechselte.