(160) Lidschäftig – Oder: Hellevator

Ist jemand von den Lesern je im Aufzug stecken geblieben? Ich bisher nie. Solche Zwischenfälle hielt ich immer für eine Erfindung aus dem Fernsehen. Heute aber ist es mir tatsächlich passiert! In meinem eigenen Haus. Mit Schwester, Schwager, zwei Nichten und dem Doktorle waren wir sechs human beings plus vier Koffer, ein Kinderwagen und ein Hula-Hoop-Reifen auf dem Weg ins Erdgeschoss. Nein, wir hatten den Aufzug nicht überladen. Im vierten Stock wurden wir kräftig durchgeschaukelt, dann erfolgte die automatische Notbremsung. Da hingen wir nun und mussten die Alarmglocke betätigen. Sofort war der front desk in Gestalt der Chefin in der Leitung, diesmal ohne „all right“-smalltalk, und versprach binnen „one second“, nach einigem Hin und Her in „one minute“ zu helfen. „Aber wir schaffen es rechtzeitig zum Flugzeug?!!“ „Wir kommen hier denn wieder raus?!“ Die große Nichte wurde zunehmend panisch. Von draußen Rufe und Versicherungen, es würde uns geholfen werden. Das waren Männer, das mussten die Leute von der Haustechnik sein. Wir schilderten nochmals unsere Situation, dass wir zum Flughafen wollten und dass die Kinder schon Panik bekämen. Schließlich wurde die Aufzugtür aufgestemmt. Wir konnten sehen: wir waren nicht auf Stockwerkshöhe, sondern wir hingen in der Luft. Drei Mitarbeiter standen in der Aufzugtür und begutachteten die Sachlage. Nach ihrer Anweisung hoben wir die Kinder, den Kinderwagen, die Koffer, den Hula-Hoop-Reifen hinunter in den Flur. Zuletzt kletterten wir Erwachsenen, darunter ich mit dem Baby in der Bauchtrage hinaus. Der Schacht unterhalb der Aufzugkabine, aus der wir gerade befreit worden waren, zeigte schwarze Tiefe und sorgte auch bei den Haustechnikern sichtbar für Unruhe – zumindest solange die Kinder in Reichweite waren. Wir betraten den anderen Fahrstuhl und machten, dass wir zur U-Bahn kamen. Alles in allem war die Rettungsaktion sehr schnell gegangen.
Es war der Aufzug, der gestern noch gewartet wurde, meinte der Schwager. Vermutlich heißt „Wartungsarbeiten“ so viel wie „funktioniert gerade nicht und wir können auch nichts machen.“
„Das ist halt hier alles lidschäftig“, wird Tina, die aus Bayern stammt, dazu sagen. Mit „hier“ meint sie New York und mit „lidschäftig“ meint sie „funktioniert einfach nicht gescheit“. Mensch Tina, du bist sie bald los, diese ganze Lidschäftigkeit over here.

>>> lidschäftig

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Barbies rothaariger Freundin Theresa gefällt es immer noch in New York City.
Sie hat sich diskret von ihrer Reisegruppe entfernt und bleibt noch etwas hier.