(165) Nächste Station: OP-Saal – Oder: 50 Shades of Grey´s Anatomy

Wo man sich auch bewegt, man sieht das täglich in New York: Medizinisches Personal trägt seine Dienstkleidung in der Öffentlichkeit, d.h. in der U-Bahn, im Einkaufsladen, im Schnellrestaurant. Sei es Magenta, Navy, Pflaume oder Brombeere – in allen Farben sind die sogenannten „scrubs“, also Hemden und Hosen im Krankenhausstil, vertreten und in allen Stadtvierteln sind sie flächendeckend zu sehen. Ich bin irritiert und frage mich, ob mit Schwester Debbie auch ein gestandenes Team häuslicher Bakterien den Dienst auf Station antreten wird, oder ob bei Pfleger Richard ein paar Krankenhauskeime mit in den Feierabend gehen.

In den USA scheint die Berufskleidung für medizinisches Personal Privatsache zu sein. Privatsache ist ja hier ohnehin so vieles. Kein Ausnahmefall, dass Pflegekräfte ihre Dienstkleidung selbst stellen müssen, in Bezug auf die zu wählende Farben werden krankenhausintern mitunter Vorschriften gemacht. Wie gut, dass es tolle Geschäfte für „scrubs“ gibt – juhu, Shopping! Man kann sogar die Arbeitsklamotten seiner Lieblings-Krankenhaus-Serienstars nachkaufen: „Grey’s Anatomy Scrubs“, den Musterschutz haben die ABC Studios inne. All rights reserved.

Insbesondere hat man als Schwester oder Pfleger das Recht – oder die Pflicht – die scrubs privat zu waschen; und das mit den hiesigen Waschmaschinen – na, besten Dank! In manchen Fällen sei zwar ein Waschservice im Krankenhaus vorhanden, aber der sei so schlecht, dass man es am besten selber mache, kontrollieren tät´s ja eh keiner, heißt es. Im Internet wird diskutiert, wie die Scrubs zu waschen seien – mit der Familienwäsche oder separat, am besten heiß oder nur warm und wie kriegt man die Blutflecken raus? (Spülmaschinentabs, Milch, Ammoniak oder Spucke, um nur einige Vorschläge aufzuzählen.)

Bakterien und Viren hin oder her – wenigstens weiß man nun, wen man in der U-Bahn fragen kann, falls mal ein medizinisches Problem auftritt, einem schlecht wird oder so. Und Keime mögen sich ja ohnehin nicht nur auf Textilien niederlassen, sondern auch gerne auf Haut, Haaren oder Smartphone-Tastaturen. Das heißt, eine saubere Uniform allein bringt´s eh nicht. Und überhaupt: Ich mache jetzt Schluss und desinfiziere mir mal eben die Hände. 

Mehr zu „scrubs in public“  in englischer Sprache:
http://www.nytimes.com/2008/09/23/health/23well.html

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