(167) Reif für Jim – Oder: Do your share!

Irgendwann kommt man an einen Punkt, da ist man reif für Jim. „Music with Jim“, um genau zu sein. Eigentlich lehne ich ja kommerzielle Kinderbelustigung ab. Aber wenn halb Roosevelt Island verreist ist, manche vorübergehend, andere für immer, und wenn alle anderen Monster fangen, dann muss man etwas tun.

15 Dollar für eine Stunde Kindersingen? Das ist ein Wort!, sagt der Lifescientist.

Na und?, sage ich, die sechs Joghurts. Außerdem geht´s auch noch viel teurer.

Wegen Bauarbeiten (ewig währt der Kampf gegen die Lidschäftigkeit) ist Jim diese Woche nicht da, wo er sonst immer ist, sondern er ist heute in einem Gruppenraum der Kirche anzutreffen. Ansonsten macht er aber das Gleiche wie immer. Das darf doch nicht wahr sein, der kann doch nicht immer das Gleiche machen, sagt der Lifescietist. Aber klar doch, sage ich, seit zwanzig Jahren. Mindestens. Und dass das kein Verbrechen ist, er muss ja auch irgendwie seine Bagels verdienen. Und den Kindern macht es nichts. Im Gegenteil. Das leuchtet dem Lifescientisten ein – er denkt an die unzähligen Wiederholungen, die er mit dem Forschernachwuchs zelebriert, weil sie mit jedem Mal lustiger zu werden scheinen.

Wir gehen also zur Musikklasse durch den Seiteneingang der Kirche. Dort sitzen wir auf dem Fußboden. Kein Mensch hat gefegt, das ist ja wie zuhause. Jim merkt sich des kleinen Schatzes Namen, begrüßt ihn singend wie auch die anderen Kinder. Dem Doktorle fallen fast die Augen aus dem Kopf: Da spielt einer Gitarre und singt dazu! Ja, ist denn das die Möglichkeit!? Und andere Kinder sind auch da!? Zapperlot!
Jim hat nen Haufen Taschen und Säcke dabei und aus denen holt er nach und nach Rasseln, Schellen, Kastagnetten und Xylophone. Jeder kriegt was. Der Schatz will auch eins. Oder zwei. Nach jedem Lied werden die jeweiligen Gegenstände schnellstens wieder aufgeräumt, damit man die nächsten rauskramen kann.

„Clean up, clean up, everybody everywhere
Clean up, clean up, everybody do your share.“  

Super. Das muss ich zuhause auch mal singen! 

Und wie wir alle wissen, hat Old MacDonald ja ne Farm, mit ´nem Haufen Tiere. Jim hat sie mitgebracht, alle. Auch Krake und Delfin, die bei MacDonald gestrandet sind. Muss inzwischen so eine Art Gnadenhof sein, den der betreibt. Nein, er heißt nicht „Mac DonaldS“ –  ich muss mich beim Singen konzentrieren.

Japanerinnen sind in dieser Musikstunde stark vertreten. Sie haben schon vor mir verstanden, dass es ohne Jim nicht geht. Darum erscheinen sie auch zu dieser Gruppenaktivität mit eiserner Verbindlichkeit, vollendeten Umgangsformen und tadellosem Äußeren. Von wegen „drop in“ und „komm´ ich heut´ nicht, komm‘ ich morgen“.

Zum Abschluss stecke ich Jim gerne die Dollars zu. Die hat er sich verdient, man muss das erst mal aushalten, 20 Jahre lang. Und überhaupt. Ob er ahnt, dass er mir heute den Tag gerettet hat? Möglich.

„See you then!“ Gut zu wissen, dass Jim immer da ist, wenn man ihn braucht. Und vielleicht kauft auch mal jemand die ausliegende CD mit Songs. Von und mit Jim. Ich würde es ihm wünschen.

 

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Zum Nachspielen von Jims Gassenhauern:
Holzxylophon aus dem Thriftstore. Klöppel im Lieferumfang nicht enthalten, sondern aus der Bastelkiste.