(168) Beat the heat! Oder: Don´t be bashful!

Es ist heiß draußen. Quasi kochend heiß, zumindest wenn Fahrenheitwerte zugrundelegt. Elena ist mit ihren Habseligkeiten wieder nach drinnen gegangen. Sie hat ihren eigenen Moving Sale auf der Wiese nicht ausgehalten. Einfach zu heiß. Und die Luftfeuchtigkeit!

Bei den Wassertaxis an Pier 11 kippt eine junge Frau um. Fällt einfach über das gespannte Band, das die Reihen markiert. Bekommt eine Wasserflasche gereicht, von irgendwem. Wird zu einer Sitzbank bugsiert. Später schleicht sie in Begleitung davon. „Why do´n´t you guys have umbrellas?“, fragt eine Unbeteiligte – warum es hier keine Schirme gibt. Der jugendlich wirkende Angestellte murmelt irgendwas von einem „öffentlichem Platz“.

Es ist aber nicht so, dass die öffentliche Hand nichts zum Schutz vor der Hitze unternimmt. Amerikanische Spielplätze wirken optisch zwar äußerst abschreckend auf mich, jedoch verfügen sie über eine schätzenswerte Besonderheit: fließend Wasser. Bei fast jedem Spielplatz gibt es zwei, drei  Wasserfontänen. Groß und Klein tollt dort herum, manche in Klamotten, andere in Badekleidung. Der Forschernachwuchs weiß nicht, was er von diesem Spektakel halten soll: So nass, so kalt, so spannend!

Sogenannte Cooling-Center öffnen jetzt die Pforten. Auf der Insel gibt es auch einen. Wer sich zuhause keine Klimaanlage leisten kann, bzw. nicht deren laufenden Betrieb, kann sich hier tagsüber aufhalten und seine eigene Randständigkeit öffentlich zur Schau stellen. Unter Umständen, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, bewahrt einen das vielleicht vor Schlimmerem. „Don´t be bashful“, heißt es daher im Infotext, du musst dich nicht schämen oder schüchtern sein!

Der kleine Schatz ist auch nicht schüchtern. Meet and Greet im Cooling Center, das würde ihm gefallen. Seine vorurteilslose Freude an anderen Menschen jedweder Herkunft ist etwas Herzerwärmendes. In der U-Bahn streicht er gerne tätowierten, bärtigen Männern über den Arm, den Ellenbogen oder wo er halt gerade hinkommt. Im Aufzug durchkämmt er mit klebrigen Fingern den Kurzhaarschnitt einer wohlfrisierten junger Frauen, wenn er nur hoch genug gehalten wird. Die geistig behinderte Dame, die auf der Main Street immer Babys und Kinder anfassen möchte und kaum Zähne, aber ein umso breiteres Grinsen hat und der Schrecken einiger Inselmütter ist, ist ihm total sympathisch. Und beim Cooling Center würde er sicher auch gerne mal auf Tuchfühlung mit den Kühlungsaspiranten gehen und he would love to make new friends. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass da überhaupt jemand hingeht.

 

cooling
Eingang zum Cooling Center –
Ob die Kühle drinbleibt, wenn die Tür allen offen steht? Ein Dilemma.

Foto 1Unsere aktuelle private Energieverbrauchs-Statistik vom Stromanbieter. Und das ist erst der Juni.

pfuetzeIrgendjemand hat den Abfluss verstopft. Was`n Spaß! Hol doch mal die Taucherbrille!