(170) Per aspera ad ASTOR – Oder: Auf rauen Wegen ins Café

Würdet ihr mal bei uns in New York vorbeischauen, würden wir vielleicht zusammen ins Café gehen. Mein Lieblingscafé liegt in Astoria, wo sonst, und ist am besten zu Fuß zu erreichen. Es gibt zwar einen Bus, der in die Nähe fährt, aber den Kinderwagen zusammenklappen und das Ganze, das muss ja nicht sein.
Auf dem Weg ins Café, eine gute halbe Stunde müssen wir einplanen, sehe ich mit euren Augen, wie schmuddelig mein Astoria eigentlich ist. Es liegt viel Müll herum. Die Bauarbeiter am neuen Wohnkomplex beim Vernon Boulevard müssen halt auch irgendwas essen und einen Kaffee trinken. Und was soll man schon machen mit dem Einweggeschirr, außer es am Ort des Verzehrs zurück lassen? Und überhaupt muss ein New Yorker jedes Getränk und jede Mahlzeit, die er zu sich nimmt, einem Kunststoffbehälter entnehmen und diesen anschließend geradewegs fallen lassen. Da kann man nichts machen.
Oder doch? Im Café Astor ist es anders! Da wird alles im Mehrweg-Geschirr serviert. Klar, werdet ihr vielleicht sagen, ist doch ein Café. Es ist nicht klar, es ist etwas Besonderes. Besonders ist auch, dass es im Café Astor immer länger dauert. Slow food at its best! Das liegt aber nicht in erster Linie daran, dass die Zubereitung so lange dauert, sondern vor allem an der Tatsache, dass der Kellner so lange nicht die Bestellung aufnimmt. Als ich neulich wieder einmal im Café vorbeischaute, war es auch wieder so. Zudem wurde noch ein Neuer eingearbeitet und die Entdeckung der Langsamkeit will schließlich gelernt sein.
Das Café ist auf sehr angenehme Weise amerikanisch. Einfach lässig. Die angebotenen Speisen sind ein bisschen ambitionierter als sonst, organic (also bio) und so. Linsenburger, mal was anderes. Der schwarzweiß gekachelte Boden, die Decken-Ventilatoren und irgendwelche Kunst sorgen für Atmosphäre. Ein komischer Flachbildschirm stört sie wiederum. 
Die Schiebefenster an der Front sind geöffnet, es zieht schön durch. 
Mit dem bärtigen Hipster-Kellner, dem ja jetzt beim Langsamsein geholfen wird, kommt irgendwann das erste Glas Leitungswasser. Landestypisch mit erfrischendem Chlorgeschmack und einem Haufen Eiswürfeln. Tut gut nach dem langen Weg in der Sommerhitze. Auch der kleine Schatz kri
egt ein Wasser mit klappernden Würfeln, ganz ausnahmsweise im Plastikbecher, weil das Doktorle ja noch so klein ist. Und mit Strohhalm, der, wenn schon nicht zum Trinken, dann doch als tolles Spielzeug taugt.
Ich empfehle euch die Süßkartoffelpommes, wenn man sowas mag. Ich teile sie mir mit dem Kleinen. Das ist lustig und macht Spaß. Vielleicht wird es irgendwann, ganz irgendwann, doch noch was mit dem „real people food“, das der Kleine essen soll, nicht nur, weil´s die Kinderärztin sagt. Und die Muffins empfehle ich euch auch. Die Amerikaner haben da eine Idee, auf die kein Deutscher kommen würde: Sie fragen dich, ob du den Muffin in der Mitte durchgeschnitten und überbacken haben möchtest, mit Butter. Möchtest du? Ja? Gute Wahl!
Wir bleiben noch ne Weile. Schauen auf die Straße raus, viel zu sehen gibt es nicht, und wir beobachten die Leute im Café. Vielleicht quatscht uns jemand voll, vielleicht auch nicht. Dann machen wir uns wieder auf den Heimweg.

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astor1Das Bild hängt schief im Café Astor.

astor5Man kann in diesem Laden alles bedenkenlos bestellen, außer einem Getränk, das mit dem weltmännischen Namen „Café Americana“ bezeichnet wird. Es sei denn, man mag schlicht kalten Kaffee.