(175) Offline Shopping – Oder: Alltäglich-unalltägliche Begegnungen

Als ich aus dem Lebensmittelladen trete, hat der angekündigte Regen endlich begonnen und zwar kräftig. Kein Problem. Es ist immer noch warm draußen und erfahrungsgemäß hört es nach einer Weile wieder auf. Ich habe ja Zeit.
Unter dem Vordach vor dem Geschäft formiert sich eine illustre Gruppe. Eine Frau, ordentlich gekleidet und mit einer Keycard von irgendeinem örtlichen Betrieb um den Hals hat sich gerade aus einer durchsichtigen Gemüsetüte eine Art Duschhaube gebastelt und am Kopf straff festgeknotet. Sie habe ihren Schirm vergessen, ruft sie einer Dame um die Achtzig zu, die einen grünen Sari trägt. Vielleicht eine Bekannte. Sie muss mehrmals rufen, bis die ältere Frau versteht, was Sache ist.
Als der Regen leicht abnimmt, tritt Frau Gemüsetüte hinaus auf die Straße. Ein Herr im Anzug tut es ihr gleich, nicht ohne vorher die Buntfaltenhose mehrfach umzuschlagen und den Druckknopf am Schirm mit dem Mund zu öffnen, weil die benötigte Hand mit Lebensmitteltüten behängt ist.
Die Sari-Trägerin fischt ein Handy aus der Stoffbahn und telefoniert lautstark. Nach dem Gespräch macht sie sich auch auf. „Du hast ja ein Baby du bleibst besser unterm Dach. Ich habe kein Baby dabei, also kann ich gehen“, sagt die alte Dame. Ich sehe ihr nach, als sie langsam die verregnete Straße überquert.

In dem anderen Geschäft, das unpraktische Babys endlich praktisch macht, kommt eine ältere Amerikanerin auf mich zu. Sympathisch, gepflegt. Sie habe mich doch schon öfter gesehen, ob ich in der Nähe wohne. Und überhaupt, wie es uns denn jetzt gehe und wie alt „die“ Kleine jetzt sei. Nein, sie verwechsle mich nicht, sie habe mich gesehen, ganz sicher, schon öfter – bei „Bloomingdales“! Bloomingdales? Nun bin ich mir endgültig sicher, dass meine Gesprächspartnerin irrt. Wenn sie Heilsarmee gesagt hätte!
Wir unterhalten uns noch ein wenig. Für Baby-Smalltalk reicht mein Englisch mittlerweile. Später treffe ich die Frau an der Kasse wieder. Ob ich eigentlich Französin sei, fragt sie. Nein ich bin Deutsche, erwidere ich. „Ach wirklich“, antwortet die Frau in meiner Muttersprache.

tuete
Auch diese Dame an der Bushaltestelle kennt den Tüten-Trick.

 

freshdirect.jpgUnd täglich grüßt der Laster.
Lebensmittel sind hier generell teuer, aber ihre Lieferung an die private Haustür kann vergleichsweise günstig angeboten werden. Der Betreiber spart ja die Ladenmiete. Die paar Lohnkosten…  Für denjenigen Kunden, für den Zeit Geld ist, lohnt sich das.