(179) Out of order – Oder: Land der Lidschäftigkeit

Man hat so seine Themen. Es kann sein, dass ich mich wiederhole. Aber ich muss einfach sagen: In New York ist der Pfusch zuhause. Alles ist marode, irgendwie halblebig – lidschäftig eben. Besser kann man es einfach nicht ausdrücken.

Stichwort Aufzüge. Was könnte ich euch Geschichten über Aufzüge erzählen. Leider wären sie nicht interessant, weil sie immer zum Inhalt haben, dass Letztere nicht richtig funktionieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Anzahl vorgesehener Aufzüge im öffentlichen Nahverkehr steht in keinem Verhältnis zu den Menschenmassen, die sie nutzen möchten. Oftmals fallen die vorhandenen Anlagen auch noch ersatzlos aus. Man muss dann eben schnell einen Umweg über New Jersey fahren – oder so ähnlich. Oder man nutzt human labor und lässt tragen.

Mir war das so nicht klar. Dass man in einer Weltstadt lebt, eine mit unten und oben, mit hoch und runter, eine dreidimensionale, die aber nicht jedem ohne Weiteres zugänglich ist. Früher dachte ich, Barrierefreiheit sei ein Provinzproblem.

Die gesellschaftliche Reaktion auf die Verknappung der Ressource Aufzug ist grenzenlose Kooperationsbereitschaft. Oder ist es umgekehrt? Weil alle kooperieren, geht´s auch ohne? Die Alltagssolidarität äußert sich auch darin, dass man immer noch einen und noch einen in die Kabine reinlässt, ehe man aufhört, den Türmechanismus mit der Hand zu blockieren. Es ist normal, dass man zusammenrückt, bis hin zur Überschreitung der Schamgrenze, nur damit alle weiter kommen. Und dass man dabei noch freundlich grüßt und den Mitfahrern Glück- und Segenswünsche für den restlichen Tag mit auf den Weg gibt. Ein anderes Mal ist man vielleicht selber froh, wenn man noch wo mitkommt.

Apropos Schamgrenze: Zu Zeiten, in denen Aufzüge weniger selten frequentiert werden, werden sie gerne mal als fahrende Toilettenkabine benutzt. Ohne Umschweife. Entsprechend riecht es. New York ist nämlich lidschäftig UND stinkt. Aber das nur nebenbei.

Im Trump Tower ist auf den ersten Blick nichts lidschäftig, sondern es glitzert ganz hübsch. Eine Rolltreppe führt dort zum  „POP“, das heißt Privatly Owned Public Space – in diesem Fall in Form einer Dachterrasse für die Öffentlichkeit. Eine Einrichtung, die Trump der Allgemeinheit übrigens am liebsten vorenthalten möchte und es auch tut. Darüber wird hier berichtet. 
Auf der Trumpschen Rolltreppe habe ich gestern mithilfe des Kinderwagens (sicherheitshalber ohne Kind) und einer daran abstehenden Schraube eine zwei Meter lange Alu-Zierblende mit mir gerissen und aufgebogen, sodass die Rolltreppe unmittelbar nach meiner Fahrt stillgelegt werden musste. Im Hause Trump hätte ich alles möglich erwartet, aber nicht das.

I´m so sorry, Donald! Your escalator is out of order. It was me. I´m deeply sorry. Words can´t tell.

Ist das Kunst? Lidschäftige Elektroinstallationen an beliebigen Häusern

Häusliches Küchensieb: lidschäftiger denn je
Waschmaschine: lidschäftig
(Textverarbeitungskenntnisse auch nicht vom Feinsten)

assiSo manche Plaza ist assi.

lidfasssaeule.jpg„Lidschäftig“ kommt von „Lidfaßsäule“
Lidfaßsäule auf Roosevelt Island. Schon immer; für immer – so.

blessGod bless America. In all seiner Lidschäftigkeit.