(189) Familie Klohäuschen heißt uns herzlich willkommen – Oder: Geschmacksfarben

Alle wollen nach New York und die, die dort sind, wollen fort. Wenigstens mal für ein paar Stunden. Das war der Grund, warum sich Familie Life Science fürs Apple Picking angemeldet hatte. Ein Projekt des segensreichen Elternnetzwerkes, das sich zu diesem Zweck mit der jüdischen Gemeinde zusammentat. Ein „School Bus“ war gemietet worden – die werden ja sonntags nicht gebraucht – und wegen großer Nachfrage noch ein zweiter.

Um halb zehn traf man sich am kaputten Hydranten. Da ist eine Bushaltestelle. Pünktlichkeit ist bei solch einer Veranstaltung unwichtig. Gegen zehn Uhr hieß es, man müsse noch auf irgendeine bestimmte Person warten. Einfach so, kein Thema. Schon während des Wartens kam das volle Schulbusgefühl auf. Lauter wilde Kinder. Es war so laut! Der Fahrer verzog keine Miene und aß sein Vesper. Nach der Mahlzeit schloss er die Augen und schien mitten im Lärm zu schlafen. Bis Network-Eva sagte, es seien jetzt alle da. Umgehend startete der Busfahrer den Motor und fuhr los.

Amerikanische Schulbusse sind für Schüler gebaut, aber nicht für 35-jährige Lifescientisten. Letzterer hockte darum um 90 Grad gedreht im Sitz und streckte die Beine auf den Mittelgang, beklagte sich jedoch nicht. Noch vor dem Verlassen der Insel blieben wir mit dem gelben Gefährt im Verkehr stecken. Gestern war sie die Roosevelt Island Bridge noch kaputt (Bericht folgt), heute jedoch ging sie wieder. Sie war aber nur einspurig befahrbar, weil auf der anderen Straßenseite ein Film gedreht wurde. Es dauerte eine Zeit, dann konnten auch wir Brücke und Film Set passieren. (Wenn ihr mal im Fernsehen einen Mann auf einem dunkelroten Brückengeländer sitzen seht, der die Skyline von Manhattan im Rücken hat, dann wisst ihr Bescheid.)

Wir klapperten durch Long Island City, überquerten nochmals den East River, fuhren vorbei an der Bronx und weiter in Richtung Norden. Der Rabbi, selbst vierfacher Vater, nutzte die Fahrt um ein paar Gedankenanstöße zum Thema Äpfel an die Kinder zu richten. Das musste er schreiend tun wegen der geöffneten Fenster und dem allgemeinen Geräuschpegel, aber es schien ihn nicht zu stören. Welche Apfelfarben denn bekannt seien, wollte er wissen. Es folgte eine Aufzählung aus allen möglichen Sitzreihen: gelb, rot, grün, orange, pink, golden usw., wurden als Apfelfarben vorgeschlagen. Dabei haben doch alle Äpfel die gleiche Farbe – innen! Er nannte diese Farbe Weiß.

Beim Finden unseres Zieles traten gewisse Probleme auf. Unser Busfahrer navigierte mittels eines College-Blocks und Erinnerungsfetzen von Mitfahrern.

Den anderen Bus hatten wir bereits verloren. Zunehmend gereizter wurde der Ton zwischen Fahrer und der gerade eben noch fröhlichen Gemeindeleitung. Trotz allem kamen wir noch vor dem zweiten Bus am Ziel. Was bei dort schief gelaufen sein mag weiß der Himmel.

Auf dem Apfelhof war es ein bisschen Klischee und ziemlich super für uns. Viel Baum, viel Wiese, kaum ein Haus. Zunächst wollen wir nur den Hof genießen, ausgiebig picknicken und uns in Ruhe die Tiere anschauen, zumal sich der Aufenthalt durch die Verzögerungen bei der Anfahrt auf nur noch zwei Stunden verkürzt hatte, die genutzt werden wollten. Außerdem drohte eine gewisse Raumnot angesichts zweier Erwachsener, einem Baby, einem Rucksack, der Wickeltasche und gar noch einem Apfelsäckchen auf genau zwei Kindersitzplätzen. Doch dann hob ich aus Neugier einen heruntergefallenen Apfel auf, biss ab und reichte ihn evagleich meinem Manne. Nach diesem Geschmacksoffenbarung (ach, stimmt ja: so schmecken Äpfel eigentlich!) ging der Lifescientist ein Säckchen kaufen, das zum Befüllen berechtigte. Ich wusste ja nicht, dass die Äpfel, die hier bei uns in den Läden liegen, offenbar gar nicht mehr von Bäumen stammen!
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Dafür wissen der Lifescientist und ich jetzt, was wir wollen: so oft wie möglich auf eine Farm. Am besten jedes Wochenende. Fragt sich nur wie, denn wir können ja schlecht zu dritt einen Schulbus mieten. Aber dafür finden wir auch noch ein Lösung.

Unklar bleibt, warum der Forschernachwuchs beim Ausflug so brav war wie schon lange nicht mehr. Trotz langen Fahrens in einem motorisierten Vehikel! Ob es daran lag, dass er heute zum ersten Mal Geburtstag hatte?

bus
Der Busfahrer hat den Collegeblock beiseite gelegt. Jetzt sind wir ja am Ziel.

 

farm1

hayride
Städter fahren Bulldog

schlange

Wo man auch hinkommt, es sind immer schon andere da. Und stehen an.

picking
Apple Picking ist kinderleicht. Nur die Kinder selbst werden immer schwerer.

outhouse
Dass die Familie, der die Obstplantage gehört, ausgerechnet „Klohäuschen“ mit Nachnamen heißt (Outhouse), dafür kann sie nichts. Aber sie machen sich einen Spaß draus.