(191) Aus Spaß könnte Ernst werden – Oder: Bham!

Den kaputten Hydranten beobachte ich schon länger mit einer gewissen Belustigung. Die Public Safety ist informiert, soviel weiß ich, aber das ändert nichts. Es gibt wohl Unklarheiten wegen der Zuständigkeit. Eine Zeit lang lag der Hydrant mitten auf dem Gehweg, als habe ihn jemand wegtragen wollen. Es schien fast, als ob derjenige es kräftemäßig nicht geschafft hätte. Dann war das schwere Ding wieder zurück am Platz als wäre es repariert worden, aber das täuschte. Wenig später war eine gewisse Schieflage zu verzeichnen und das störte niemanden. Irgendjemand hatte auch das „Caution“-Band entfernt. So weit so ungut.

Gestern rief sich mir der Hydrant wieder in Erinnerung, indem er mir vor die Füße fiel. Das war so:

Wegen des Regens fuhr ich ausnahmsweise mit dem roten Bus – samt Kind im Wagen. An der Haltestelle, bei der wir aussteigen wollten, hielt der Busfahrer so an, dass sich die hintere Bustür direkt vor dem Hydranten öffnete. Das ist – egal ob kaputt oder nicht – ein doofe Idee, aber das nur nebenbei. Eine Frau stieg vor uns aus. Sie muss am Hydranten gestreift sein, jedenfalls fiel er mit einem dumpfen Schlag direkt in die Lücke zwischen der Trittstufe und dem Gehweg. Bham!
Ich war als nächste dran mit aussteigen. Also schob ich den Kinderwagen über den Hydranten auf den Gehweg hinaus und kletterte hinterher. Zwar haben wir den besten Kinderwagen der Welt, strandtauglich, großmarktgeeignet, geländegängig und wendig, für die Fahrt über Hydranten, das muss ich eingestehen, ist er nicht gemacht.

Als ich draußen war und instinktiv nach der Kamera griff, machte sich ein Mann daran, den Hydranten aus der Lücke zu zerren. So konnte der Bus ja auch schlecht weiterfahren! „Stop! Let somebody help you!“, rief eine engagierte Frau. Was so ein Hydrant wiegen mag? Vielleicht 70 Kilo? Oder mehr? Ich weiß es nicht.
Eine andere Frau versprach, wegen des Vorfalls die Public Safety zu informieren. Sie lebe schon 30 Jahre hier und wisse, mit wem sie es zu tun habe.

Und ich? Ich ärgerte mich. Der kleine Schatz lernt in diesen Tagen laufen. Ist es zu viel verlangt, dass in einer Weltstadt akute Sicherheitsmängel behoben werden, nachdem sie gemeldet wurden? Muss ich, wenn ich mit meinem Laufenlerner spazieren gehe, nachsehen, ob alle Hydranten und sonstige massive Gegenstände festgeschraubt sind? Echt jetzt?

Jedenfalls habe ich diesen Vorfall samt Fotos in die Hände eines Bloggerkollegen von der Insel gegeben, der nicht weiß, dass wir Kollegen sind (das muss ihm irgendwie entgangen sein), der sich aber immer wieder gerne kleinerer und größerer Skandale des Insellebens annimmt. Hoffentlich hilft´s.

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Fahrgäste machen die Bahn frei für die Weiterfahrt des Busses.

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