(202) My first dental visit – Oder: Playdate beim Zahnarzt

Der Forschernachwuchs hatte seinen ersten Zahnarztbesuch. Ja, ist ein bisschen früh, aber jemand empfahl, es sei nie zu früh, man erhalte Tipps für die Zahnpflege und überhaupt. Fluorid oder kein Fluorid, das ist hier die Frage – jeder erzählt etwas anderes. Vielleicht würde man endlich einmal die richtige Antwort bekommen. Die Kinderärztin nannte uns gerne eine Kinderzahnarztpraxis, die sie selbst sehr mochte. In Manhattan drüben, gleich bei der Tram. Sehr praktisch.

Am Tag des Termins – per Textnachricht waren wir freundlich erinnert worden – betraten wir die Praxis im vierten Stock. Direkt gegenüber von der Praxistür war der Tresen, wo die Helferin saß. Der kleine Flur diente zugleich als Warteraum,  wir waren die einzigen Patienten. Die Zahnärztin kam, begrüßte uns mit großem Hallo, genau wie es kleine Kinder mögen. Während ich den üblichen Papierkram erledigte, spielte die Ärztin auf dem Fußboden mit meinem Sohn. Sofort gewann sie sein Vertrauen. Sie redete in einem fort, baute nebenbei hohe Türme, bereit für den Einsturz, pries die Klugheit und viele andere Eigenschaften des kleinen Schatzes. Das weiß ich schon alles und noch mehr, aber ich höre es immer wieder gerne. Außerdem kenne sie mich, sagte die Ärztin, von der Insel, wo sie auch wohne. Es verunsichert mich, wenn Menschen mich kennen, ich sie aber nicht. Hoffentlich war ich ihr nicht in irgendeiner Weise negativ aufgefallen. Zum Beispiel als die, deren Kind immer keine Schuhe anhat? Dass der Kleine heute nur Socken trug und ich die Schuhe separat im Wagen mitführte, schien sie nämlich zu irritieren. Sie warnte vor (Zahn-)Unfällen durch Ausrutschen.

Ansonsten stellte sie fest: der kleine Schatz habe acht Zähne. Sie putzte ihm diese. Außerdem riet sie uns vorerst von Fluorid ab, zumindest solange man in New York lebe und solange das Kind noch so klein sei. Ein paar weitere Tipps konnte sie uns geben. Wir sollen nun zweimal täglich bürsten. Was für eine Aufgabe!

Schließlich schoss die Helferin sogar noch ein Foto vom Patienten vor einer Messlatte und auf dem Zahnarztstuhl, samt einem Plüsch-Dinosaurier mit Riesenzahnbürste. Als Abschiedsgeschenk bekamen wir einen türkisfarbenen Spielball mit Noppen und eines von drei Plastiktieren, dass ich stellvertretend auswählte, weil das Wählen irgendwie nicht klappte.

Am nächsten Tag trafen wir die Ärztin auf der Main Street. Sie stellte uns ihren Mann vor, der sich wohl kaum für uns interessierte, aber wir sind halt in den USA. Peinlicherweise trug mein Kind immer noch die Socken vom Vortag. Bestimmt war ihr das aufgefallen. Und ich dachte noch: „Merkt ja keiner, wenn ich die heute mal dranlasse.“

Wenige Tage später bekamen wir Post von der  Zahnärztin. Nein, es war nicht die Rechnung. Es kamen die ausgedruckten Fotos und ein Brief, geschrieben mit bunten Neonstiften. „Ich habe doch heute schon gebloggt!“, sagte ich zum Lifescientisten, als wir brieföffnend im Aufzug nach oben fuhren.

Das mit dem Brief ist ein bisschen drüber, ein bisschen New York, ein bisschen Amerika überhaupt. Und als Mutter lässt es einen doch nicht kalt. In sechs Monaten –  klar, wir kommen!

Als ich einer befreundeten Mutter den Brief inklusive der Fotos zeigte, meinte sie „Maybe we should make an appointment, too“. Vielleicht sollte sie auch einen Termin machen. Ich glaube nicht, dass man sich bei diesem Praxisteam Sorgen um den Patientenstamm machen muss.

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Lieber Forschernachwuchs

Vielen Dank, dass du zu uns in die Praxis zu einem playdate gekommen bist!!
Du hast deinen ersten Zahnarztbesuch wunderbar bewältigt!! 

Denke daran… Bürsten, Zahnseide benutzen, lächeln – und das Ganze wiederholen!

Wir sehen uns bei unserem nächsten playdate in 6 Monaten. 

Küsschen und Umarmung
(XOXO)

Frau Doktor und Team