(203) Schnitzel mit Aussicht – Oder: Im Schlafanzug zum Farmer´s Market

Am Samstag durfte ich meine Insel aus einer anderen Perspektive betrachten: aus dem 23. Stock des Deutschen Generalkonsulats in der 49. Straße/1st Avenue. So sah sie von dort aus:

Konsulat
Südspitze von Roosevelt Island mit Southpoint Park und Baustelle; links Queensboro Bridge

Was ich im Generalkonsulat zu schaffen habe? Dort hat eine Konferenz stattgefunden, gedacht für deutsche Samstags-Sprachschul-Lehrer von überall in den USA. Für mich ein Heimspiel, ich kann mit der Tram über den Fluss fahren und dann hinlaufen.

Ein Tag ganz ohne Kind und ohne schlechtes Gewissen, denn man muss sich schließlich fortbilden, das weiß der Lifescientist genau. Am Samstag ist ja immer Vater-Sohn-Tag, aber eben nur am Vormittag, während der Samstagsschule. Die beiden gehen dann zum Bauernmarkt, geben den Kompost an der Station ab und kaufen bei Sarnai ein, die als Mutter von drei Kindern begonnen hat, gesundes Brot selbst zu backen. Das hat noch gefehlt – nicht nur uns.

Während auf Roosevelt Island die üblichen Samstagsrituale ablaufen, besuche ich am anderen Flussufer Workshops meiner Wahl und trinke Kaffee aus Pappbechern. So amerikanisch ist das Deutsche Konsulat. Im Restaurant (das mit der Aussicht), gibt es ein schönes Lunch-Buffet, insbesondere Wiener Schnitzel und Kartoffelsalat. Ein Schnitzel ist in New York mehr als ein Schnitzel. Es ist Heimat – sogar für diejenigen, die sich eigentlich nichts aus panierten Fleischlappen machen.

Nach der Konferenz (ok, ganz fertig war sie noch nicht) treffe ich meine beiden Jungs im Gemeinschafts-Spielzimmer der Kliniken, für das wir neuerdings einen Schlüssel besitzen. Die zwanzig Blocks schaffe ich locker zu Fuß und kriege damit noch New Yorker Novembersonne ab, bevor es dunkel wird. Letzten November hatte ich die vielen Sonnenstunden noch für Zufall gehalten. Ja, es ist schon mein zweiter November hier.

Eine Oma, die auch im Spielzimmer aktiv ist, stellt anerkennend fest, dass unser kleiner Schatz schon den Schlafanzug trägt. „Noch“ wäre passender, aber das kann sie sich nicht vorstellen. Sowas machen nur Papas.

Dann wird der Lifescientist kurzangebunden. Zeit für einen späten Mittagsschlaf! Das geht gut im Playroom, findet er, streckt sich auf der Turnmatte aus und schläft umgehend ein. An Kindern, die das prüfen und kommentieren oder Eltern, die ihnen den Vorgang erklären, stört er sich nicht. Vielleicht hätte er besser selbst den Schlafanzug angelassen.

Als der Lifescientist wieder erwacht, dämmert es schon. Wir machen uns auf den Heimweg. Das Kind bekommt etwas zu essen und einen neuen Schlafanzug. Gute Nacht, Doktorle!