(204) Je kleiner, desto oh! – Oder: Museum, ganz anders

Das ist genau mein Ding: Ein Mini-Museum hinter einem Garagentor, sogar die Garage selbst ist mini, eigentlich ist es ein Lastenaufzug. Darin Regale mit Ausstellungsstücken. Auf dem Gehweg sitzt eine junge Frau auf einem Klappstuhl vor einem Heizofen. Heute Nachmittag läuft er nicht, denn die Temperaturen sind mild.

Ich bin schon zum zweiten Mal da, bei meinem letzen Versuch hatte der Museumswärter etwas Wichtigeres zu tun und schloss die Tore vorzeitig – gerade in dem Moment als ich kam. Ich dürfe mich noch ganz kurz umsehen, er würde mir seine persönlichen Favoriten vorstellen. Das tat er auch, aber die Ausstellungsobjekte, so klein sie auch sind, brauchen Zeit. Wenn ein schnurrbärtiger Museumswärter von einem Bein auf das andere tritt, geht das nicht. Ja, Schnurrbart! Das trägt Mann jetzt wieder vermehrt, ebenso wie Hochwasser-Buntfaltenhosen (nicht unbedingt beides an einer Person). Ich bedankte mich beim Schnurrbartmann und ging.

Was gibt es nun zu sehen im Mini-Museum? Zum Beispiel: Eine Sammlung von einzelnen Cornflakes, in Kästchen geordnet wie Sammlerstücke. Keines gleicht dem anderen. „A Taxonomy of the Cornflake“ – Die Klassifizierung des Cornflakes. Das lässt einen schmunzeln, vielleicht staunen, anderes sticht einen mitten ins Herz, wie die Ausstellung „The Last Messages Recieved – Final Texts“. Das sind Screenshots von letzten Textnachrichten, die letzten geschriebenen Worte eines Menschen, mitten aus dem Leben, direkt vor dessen unerwartetem Ende.

Eine weitere Sammlung zeigt Gegenstände, die für Bomben gehalten wurden, aber keine waren. Oder die Merchandise-Produkte von Donald Trump, mit deren genauerer Betrachtung man der Persönlichkeit hinter der Marke „Trump“ auf die Spur kommen soll. Als „kurativen Journalismus“ bezeichnen die Museumsmacher ihre Vorgehensweise beim „Mmuseumm“. Durch die Ausstellungen führt ein großflächiges Faltblatt oder ein Audioguide, anzuwählen über das Telefon.

Die ganze Woche denke ich an dieses Museum und seine verschiedenen Ausstellungsstücke. Das ist mehr als man von einem Museum erwarten kann.

 

Mehr Informationen:
MMuseumm

 

mmuseum1

mmuseum2
Gebackene Katastrophe – Wenn´s nicht so traurig wär!
Ein Künstler zeigt seine selbstgebackenen Kekse, die er zu den aktuellen Tagesereignissen des vergangenen Jahres 2015 gebacken hat.
Hier ein Flüchtlingsboot. Die Gesichter der Menschen sind mit Mandelblättchen dargestellt.