(207) Privacy door handle – Oder: Früh übt sich

Es sind die kleinen Dinge, an denen man merkt, dass man im Ausland ist. Im Badezimmer zum Beispiel. Wer die Tür abschließen möchte, findet bei uns keinen Schlüssel oder Ähnliches, sondern einen kleinen Knopf. Wenn der Knopf gedrückt ist, lässt sich die Tür von außen nicht mehr öffnen. Von innen geht sie ganz leicht wieder auf, das Knöpfchen entriegelt sich automatisch beim Öffnen der Tür. Das heißt privacy door. So weit, so amerikanisch.

So ein Badezimmer ist für Kinder unter drei ein wahrer Abenteuerspielplatz. Ein Planschbecken mit Wasserstrudel auf Augenhöhe, genannt Klo. Was kann es Schöneres geben? Dazu eine herrliche Bürste und ein Pömpel, warum stehen die bloß so weit oben? Da kommt man ja gar nicht dran! Und wie lange ist eigentlich das Papier, das da von der Rolle kommt? Muss man doch mal nachsehen.

Wir hatten Bedenken, dass der Forschernachwuchs auf seinen Erkundungstouren irgendwann das Knöpfchen an der Badtür drückt und sich selbst ein- bzw. uns raussperrt. Wie sollten wir ihn dann wieder befreien? Zwar müsste er nur die Tür normal öffnen, die Klinke runterdrücken, das kann er – aber will er das gegebenenfalls auch? Eher nein!

Einer Freundin ist das einmal passiert, als wir zusammen Lunchen waren. Ihr Kleiner hat sich im Restaurant Restroom eingesperrt. „Ich bin eine schlechte Mutter“, sagte sie und sprang nach Hause, um einen Schraubenzieher zu holen. Im Restaurant fanden sie nämlich keinen. Es sind schlechte Restaurantbesitzer. Sie war bald zurück, eine schlechte Läuferin ist sie nämlich nicht (Genauso wenig wie eine schlechte Mutter).

Wenn man wissen will, wie man gegebenenfalls die verriegelte Badtür von außen aufkriegt, findet man im Internet hilfreiche Videos zum Thema. Wir starteten den Selbstversuch. Der Lifescientist war im Bad, einer musste ja abschließen, und ich versuchte, die Tür zu entriegeln. Es wollte nicht gleich klappen und der Lifescientist hatte nicht ewig Zeit im Bad zu hocken. Frau Life Science kam direkt ins Schwitzen!

Einen Tag später findet der Forschernachwuchs den Schraubenzieher und geht damit zur Badtür. Er streckt sich und puhlt den Schraubenzieher in das winzige Löchlein in der Türklinke. Es geht nur im schrägen Winkel, das Doktorle  ist einfach noch zu klein. Und zu dünn, die Cordhose rutscht bis zu den Fußknöcheln, als er sich derart lang macht. Aber das hält einen Mechaniker ihn nicht von der Arbeit ab. Er muss schrauben! Notfalls ohne Hose. Privacy hin oder her.

Ich hatte nicht einmal gemerkt, dass er so gut aufgepasst und sich den Vorgang gemerkt hatte.
So geht Lernen: beobachten und nachmachen. Aber nicht irgendwas, sondern etwas mit Bedeutung. So Sachen, die die Erwachsenen wichtig finden. Wo sie schwitzen und ernst gucken. Oder lachen. Irgendwas. Real people things eben. Der Forschernachwuchs weiß genau, was das ist. Kinderküche? Pah! Er will den Wok. Den richtigen und zwar auf dem echten Herd. Los, Mama! Mach! Ich schalt schon mal den Herd an!

 

privacy.jpg
Privacy door handle mit Abschließkopf. Springt heraus beim Herunterdrücken der Türklinke.  Im blankpolierten Metall spiegelt sich beinahe zufällig die USA-Fußmatte vor der Badewanne