(208) Nur Wasser! – Oder: Downtown mit Gummistiefeln

Regen in New York, das ist auch so ein Thema. An solchen Tagen geht man in Gummistiefeln zur Arbeit, es gibt die in allen modischen Facetten. Manchmal ist es Übertreibung, öfter aber auch durchaus geboten. In den letzten beiden Tagen habe ich sie auch übergestreift, schon beinahe automatisch. Denn wenn es hier regnet, regnet es oft heftig und: Das Wasser fließt nicht ab. Die Bauweise! Es bilden sich Sturzbäche und Stauseen, immer genau an den Bordsteinen vor den Zebrastreifen. Block für Block. Da muss man durch.

Eine Mitmutter sagt via Textnachricht Bescheid, dass sie heute nicht zur deutschsprachigen Spielgruppe käme. Fünf Minuten, nachdem sei ihr Kommen angekündigt hatte. Wahrscheinlich ging sie gerade aus dem Haus und kehrte dann kurzentschlossen um. Der Durchschnittsmensch hat eben kein Auto oder es steht nicht vor der Haustür. Die Subway auch nicht.

Mir ging es vor zwei Wochen genauso. Wenn man zuhause aus dem Fenster sieht und ein anderes Hochhaus vor sich hat, wirkt der Regen immer viel schwächer als er tatsächlich ist.

Ist doch nur Wasser, sagt der Kindergruppenleiter, der immer mit dem Fahrrad kommt. Dieser Tage ist es warmes Wasser, und das im November!

Fahrradfahren im verregneten New York ist nicht jedermanns Sache. Einhändiges Kinderwagenschieben (die andere Hand hält den Schirm) auch nicht. Nach einem langen Regentag lege ich meinen Billigschirm zusammengefaltet auf das Kinderwagendach und riskiere beim Weiterschieben einen nassen Kopf. Was soll´s, so schlimm wie heute Morgen regnet es schon gar nicht mehr. Ein seriöser Herr reiferen Alters kommt mit einem imposanten Stockschirm angeprescht und hält ihn über mich, als wäre ich ein Popstar mit Kinderwagen. Einfach so. Er gleicht unsere Wege ab und kündigt an, bis wohin ich unter dem Regendach sein darf. An der entsprechenden Ecke verabschiedet er sich ohne viel Tamtam. Das ist New York.

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see2Da muss man durch, mit ohne Gummistiefel. Der Alltag macht keine Regenpause.

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Gummistiefel für Mutter und Kind:
„They are adorable“, die Stiefel in Größe 6 (22), darüber waren sich alle Anwesenden im Geschäft, in dem ich sie second hand gekauft habe, einig.

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Dieser Pop-up-Shop für Regenschirme wird von einem merkwürdig teilnahmslosen, entfernt stehenden Verkäufer betreut. Manch einem fehlt der Schirm, ihm wahrscheinlich die Verkaufsgenehmigung.

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New Yorker Mitbürger asiatischer Herkunft benutzen Regenschirme gerne an heißen Sommertagen weiter. Wer will schon braun werden, wen man es vermeiden kann?