(209) POPS – Oder: Lunch & Lausch

Eine Frau sitzt alleine und strickt. Sie scheint alle Zeit der Welt zu haben. Zwei jüngere Frauen bearbeiten einen Text, die eine erklärt der anderen etwas. Vielleicht möchte sie eine Sprache lernen? An einem weiteren Tisch berät ein Mann einen anderen. Vor ihnen liegen Formulare. Eine Frau in Kittelschürze wischt ein paar freie Tischplatten. Einige Leute sitzen vor aufgeklappten Laptops und nutzen das freie W-Lan. Mitgebrachtes Take Away – Food wird verspeist und Kaffee aus Pappbechern getrunken. Alles in Ordnung hier, Sicherheitsleute begrüßen sich mit Faustknöchel-Klopfen. Gegen 11 Uhr schlägt der Klavierspieler auf. Flügelklänge füllen die Halle. Applaus gibt es keinen, obwohl er nicht schlecht spielt.

Das ist hier ein Privately Owened Public Space (POPS), von denen es hunderte in New York City und in einigen anderen Städten gibt. Sie können klein oder großflächig, drinnen oder draußen, schnöde oder atmosphärisch sein. Berufstätige zur Lunchtime und homeless people, also Obdachlose sind hier gleichermaßen anzutreffen. Keiner stört sich am anderen. Diesen Luxus-POPS habe ich ganz zufällig gefunden.

Nicht selten kommen solche POPS in New York City durch einen Kuhhandel zustande. Bauherren können bei der Stadt wie beim „Siedler“-Spiel zehn Square Foot zusätzliche gewinnträchtige Baufläche mit einem Square Foot öffentlicher Plaza erkaufen. Bei einem Laubengang oder einem Park gelten wieder andere Tauschwerte.

Mir gefällt´s. Dass man mal irgendwo sein kann, einfach so. Beheizt und mit Toiletten. Dass man dazu nicht in ein schmuddeliges Donut-Kabuff sitzen muss oder in einen dunkelgrünen Kaffeeladen. Ich komme wieder, ganz bestimmt.

 

 

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Nach diesen Schildern muss man Ausschau halten, wenn man im POP abhängen will.