(216) Ich kaufe, also bin ich – Oder: Shoppinghauptstadt

Heute war Frau Life Science versehentlich im Museumsshop des Museum of Modern Art (MOMA). Es war die Suche nach einem Geschenk, das es vielleicht nicht überall gibt, was sie dorthin trieb. Blöde Idee, denn alle anderen hatten sie auch. Man wurde beinahe totgetreten.
Gab es etwas umsonst? Wurden ausrangierte Originale verscherbelt oder Autogramme von zeitgenössischen Künstlern verschenkt? Nein! Man konnte einfach nur SHOPPEN! Also, jemandem, den man nicht näher kennt, zu einer goldenen Nase verhelfen. Lediglich ein paar lächerliche Prozente gab es, die sich an den horrenden „Normalpreisen“ ohnehin leicht verlieren.“Sale“ – Schon das Wort nervt. Kann man nicht einfach die Dinge mehr oder weniger dauerhaft zu dem Preis anbieten, der eine Balance erzeugt zwischen den monetären Interessen von Anbietendem und Nachfragendem?
Und was ist so toll daran, wenn man für 42 Euro (im Sale!) einen (zugegebenermaßen originellen) Topfuntersetzer aus drei Holzlatten bezahlen darf, dass man dafür eine Dreiviertelstunde an der Kasse ansteht? Das darf doch alles nicht wahr sein. Es entsteht der Eindruck, es sei heute niemand im Museum, dafür alle im Shop.
Was macht man da? Man macht mit. Sucht das Geschenk (flach, leichtgewichtig), lässt Topfuntersetzer und andere Schocker immer schnell wieder fallen, findet Alternativen, steht an der Kasse an, erträgt das grumpy Kleinkind, belustigt es mit ausliegenden Designer-Gadgets, die man bei nachgelassener Spielfreude wieder zurücklegt, vielleicht woanders hin, ist doch auch egal jetzt. Die ganze Sache einfach irgendwie hinter sich bringen. Denn wenn man sagt: „Das ist mir jetzt echt zu blöd!“, dann bleibt man am besten gleich zuhause. Und da ist es ja dann auch blöd.

 

museumsshop.jpg
Einkaufen! Jetzt!