(222) Blei! – Oder: Wer gründlicher sucht, der findet

Blutabnahme beim Kinderarzt. Es werde auf Blei getestet, erklärte die Ärztin, das sei gesetzlich angeordnet. Merkwürdig. Blei! Muss man davor Angst haben? Werden die Altersgenossen des Forschernachwuchses in Deutschland auch untersucht? Wohl kaum. Zum Glück wurde nichts gefunden, und dass die Untersuchung doppelt abgebucht wurde, ist ein anderes Thema.

Ohne Grund werden die Blei-Tests bestimmt nicht durchgeführt. Stichwort: „Quality of housing“. Vieles hier ist alt und verkommen oder schlampig gemacht, auch die Wasserleitungen.

Blei aus dem Leitungswasser ist insofern ein Problem, als sich der Stoff bei laufender Aufnahme im Körper anreichert und insbesondere bei Kindern in Wachstum und Entwicklung bleibende Schäden hinterlässt. Wie immer kommt es wohl auf die Dosis bzw. Dauer der Aufnahme an.

Deshalb wird auch in Schulen hier regelmäßig das Leitungswasser getestet. Bisher war es gängige Praxis, die Wasserrohre am Vorabend gründlich durchzuspülen, ehe die Messungen erhoben wurden. (Das ist, als würde man vor dem Fiebermessen einen Eiswürfel unter die Zunge legen. Kein Fieber heute…Trotz Angina!)

Als die Medien dieses eigenartige Vorgehen vor noch nicht langer Zeit bekannt machten und zur Sprache brachten, dass das vorherige Durchspülen durchaus die Testergebnisse verzerren könnte, änderte man dieses Vorgehen. Nun entnimmt man die Proben ad hoc.

Auf der Insel-Schule wurde kürzlich auch nach dem neuem Protokoll getestet. Und nun haben wir den Salat! Die Blei-Werte liegen teils hundert- bis tausendfach über dem gesetzlichen Grenzwert, während die Jahre zuvor immer alles ok war.

Es sind keine ausgewiesenen Trinkwasserleitungen, die betroffen sind. Trinkwasserbunnen, die hier an jeder Schule und im öffentlichen Bereich bereitstehen und von den Kindern vielfach frequentiert werden, scheinen nicht belastet. Ebenso wenig die Schulküche. Aber trotzdem: Wer will das schon? Blei im Leitungswasser? In einer Schule, die 1993 erbaut wurde?

Das ist nun Inseltalk Nummer eins. Das Fernsehen war auch schon da. Die Diskussion unter den betroffenen Eltern schwankt zwischen Panikmache und Bagatellisierung. Alle betroffenen Wasserhähne wurden abgedreht, bis das Problem gefunden werden kann. Die engagierte Kinderärztin der Insel äußert sich öffentlich nicht zu den Vorkommnissen. Ob das ein gutes Zeichen ist?

blei