(223) Dim Sum – Oder: Hühnerfüße und Stinkfrucht

Meine chinesische Mitmutter ließ einmal her landestypisches Essen direkt zum Play date in unser Apartment liefern. Als es klingelte und ich die gedankenlos die Tür öffnete, hatte ich eigentlich eine dänische Mutter erwartet, stattdessen stand da ein (Entschuldigung für das Klischee) kleiner Chinese mit Helm auf dem Kopf und „Have a  nice day“-Plastiktüte. „How are you?“

Viel lustiger fand ich aber die Aussage der Essensbestellerin, die mir gerne von ihrer Suppe reichte: „I wonder how you can eat soup with a spoon“. Sie hat das wirklich so gesagt! Wie kann man auch Suppe mit einem Löffel zu sich nehmen? Man isst chinesische Nudelsuppe – also eben die Nudeln – nämlich eigentlich mit Stäbchen und trinkt den Rest geräuschvoll aus.

Mit der genannten Familie waren wir nun schon zum zweiten Mal auswärts chinesisch essen, und zwar beide Male in Restaurants, in denen auch die Gäste durchweg chinesisch aussahen. Ein gutes Zeichen, oder?
„Dim Sum“,  hieß es dieses Mal, das sind kleine Gerichte, die laut wörtlicher Übersetzung „das Herz berühren“. Wir fuhren dazu nach China Town / Flushing im Stadtteil Queens. Das ist mir sympathisch. Merke, sagt Frau Life Science: Man meide Manhattan so oft es nur möglich ist. Gut, dass es hier gleich mehrere China Towns zur Auswahl gibt.

Das Schöne am authentisch chinesisch Essen gehen  ist, dass man in der Gruppe alles Mögliche bestellt und es am runden Tisch miteinander teilt – ebenso wie am Ende gerne auch die Rechnung. Das erhöht nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern auch die Chance, viele unterschiedliche Gerichte auszuprobieren.

Im „Dim Sum“- Restaurant sieht es ein bisschen aufgemotzt aus. Satinartige Stuhlhussen mit Schleifen und bodenlange Tischtücher, an der Decke moderne Kronleuchter. Wie bei einer Hochzeit! „Das gehört so“, sagt unsere Begleitung.

Die meisten Gerichte werden in Bambuskörbchen serviert, worin die Gerichte gedämpft worden sind. Energische Bedienungen schieben die gestapelten Körbchen in Servierwägen vor die Tische und wenn einem etwas gefällt, bekommt man es gereicht.

Wie wäre es beispielsweise mit Hühnerfüßen?


huehnerfuss

Hier gibt es Reissuppe. Schmeckt auf den ersten Biss nach Klebestift. Aber sie findet ihre Fans.

Reissuppe


Ein Dessert aus „Durian“, die nicht umsonst „Stinkfrucht“ genannt wird.(Dass sie nicht schmeckt, kann man nicht behaupten, im Gegenteil: Sie schmeckt intensiv tropisch fruchtig und süß, aber sie macht sie eben auch ihrem Namen alle Ehre)

 

durian

 

Kurios, das alles. Aber das Meiste auch für unseren Geschmack sehr, sehr lecker!

Nach unserem Dim Sum-Brunch bin ich den ganzen Tag satt. Nicht übervoll, aber satt. Zum Abendessen gibt es zuhause nur noch ein paar gebackene Makronen aus dem chinesischen Supermarkt, dem wir auch – natürlich am Sonntag – noch einen Besuch abgestattet hatten. Dass ich wieder irgendetwas anderes etwas essen könnte, fällt mir erst am nächsten Tag wieder ein.


Bestuhlung

Bedienungen

Restaurant

tisch gedeckt
Zu wem gehören wohl die Gabeln?