(226) Bling! Your son just pooped – Oder: U3-Betreuung 2.0

„Bling“ macht mein Telefon. Florinchen just fell asleep, heißt es. Aha! Ich bin gerade aus dem U-Bahn-Wagen gestiegen und freue mich, dass sich mein Kleiner ein paar Kilometer entfernt in die Matratze kuschelt – zum Mittagsschlaf in der Daycare. Informationen in Echtzeit, über Schlafen und Rutschen, über Pipi („wet“) und Kacka(„bowel movement“; kurz „BM„) – das lobe ich mir!  Helikoptern ist nicht so mein Ding, trotzdem freue ich mich.Insbesondere über das eine oder andere Foto oder Bewegtbild.

Man muss auch wissen: der kleine Schatz spielt in der KiTa nicht nur  – Nein, er untersucht den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Am Spielzeugauto. Ein richtiger Forscher eben – ganz der Papa! So heißt es im digitalen Tagesbericht auf meinem Handy

F. explored the cars as show cause and effect skill by pushing the cars back and forth.

Aber nicht nur das:

The teacher encouraged him by saying vroom vroom!

Das ist ja sagenhaft. Ermutigt wurde er also auch! Und das Autos over here „vroom vroom“ machen, das lernt der kleine Schatz ganz nebenbei.

Ein anderes Mal lese ich:

F. worked on strengthening his fine motor skillsn as he used Crayon to make markings on the construcition. 

Das angehängte Foto zeigt den kleinen F., wie er an der Malkreide lutscht. Sie sei gesundheitlich unbedenklich, versichern die Erzieherinnen.

Ihr Alltags-Beobachtungen gliedern die Betreuungskräfte tabellenartig in mehrere Kategorien, die mit folgenden motivierenden Schlagwörtern umschrieben werden:

  • movement matters
  • science rocks 
  • math counts 
  • language works 
  • well aware

Das haut rein, oder? Aber was ist damit gemeint?

„movement matters“ ist immer, wenn sich irgendwer bewegt. Nothing else matters!

Bei „science rocks“ kann man vieles herausfinden. „Dass Wasser nass ist“, prustet Uli in die vorgehaltene Hand, sie ist meine Nachbarin, deren KiTa denselben Träger hat wie meine und dasselbe Pädagogik-Sprech verwendet.

„Math counts“
 ist zum Beispiel angesagt, wenn ein Kind Perlen an einem Drahtgestell hin- und herschiebt.

„Language works“ heißt es, wenn ein Kind etwas sagt.

„Well aware“ wird gewählt, wenn  aktiv und bewusst am allgemeinen Geschehen teilnimmt.

Ich stelle mir vor, wie die Erzieherinnen in ihrer Ausbildung mit so etwas Ähnlichem wie Fahrschulbögen auswendig lernen, welche Alltagssituation wie zu kategorisieren sind. Nur so kann ich mir erklären, dass ihnen das so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und ich dachte immer, der Kleine spielt nur!

Im Ernst. Ich weiß schon, dass Spielen mehr ist als Spielen. Allerdings denke ich nicht, dass man die Kindesentwicklung durch ständiges verbales Aufschlüsseln der Einzelheiten überwachen und kontrollieren kann und muss. Mehr noch: Durch das präzise Beschreiben der Lernschritte macht sich die pädagogische Einrichtung den Vorgang in gewisser Weise auch zu eigen, als hätte sie eigentlich alles initiiert und zu verantworten.

Wie auch immer: Hauptsache, sie sind nett dort. Und das sind sie, Gott sei Dank!

Zuhause reden wir jetzt auch schon so:

 

Science rocks!
Exploring the wetness of milk (happened without encouragement)

wetnes of milk

science rocks

Science rocks II

sinupret in dishwasher
exploring the concept of dishwashers by loading it with sinupret

sciencerocks4
Movement matters! Walking in daddies shoes.