(227) Bel Aire – Oder: Zum Burger essen in die Keksdose

Zu den wenigen typisch amerikanischen Vergnügungen, mit denen wir wirklich etwas anfangen können, gehört es, in aller Ruhe einen gediegenen Burger und ein paar Süßkartoffel-Pommes zu uns zu nehmen. Wie gut, dass für das mittlerweile leider geschlossene Kult-Café Astor, für das uns kein Weg zu weit schien, eine Alternative gefunden werden konnte: das Diner „Bel Aire“ in Astoria.

Warum sehen eigentlich alle amerikanischen Diner so aus wie sie aussehen? Warum ist immer blank poliertes Edelstahl im Spiel? Was sollen diese Eckbänke? Während ich bei „meinem“ neuen Lieblings-Diner noch an eine Keksdose aus Blech denke, lese ich nach und erfahre, was genau für die  amerikanische Diner-Ästhetik eigentlich Pate steht: Es ist ein Eisenbahnwaggon. Das war mir neu. Die ersten Diner fand man wohl Ende des 19. Jahrhunderts in ausrangierten Speisewagen, also in „dining cars“. Auch später noch wurden Diner-Restaurants als fertiges Häuschen an den gewünschten Ort gekarrt. Darum sind sie traditionell lang und schmal. Was auch meist dazugehört: Art decó – Elemente. Aha.

Das „Bel Aire“ an der 21. Straße hat auch den typischen American Diner-Charme. Und ich stelle fest: Die Speisen werden auf Mehrweg-Geschirr serviert. Muss ich mir Sorgen machen? Wird das Lokal unter diesen Voraussetzungen auch morgen noch Burger servieren? Man weiß es nicht. Aber es immerhin blickt es auf fünfzigjährige Tradition zurück. Vielleicht machen sie´s ja noch ´ne Weile.

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Keksdose im Abendlicht

 

Das Beste am „Bel Aire“: meistens ist nichts los.

(„Nothing ruins a good meal like other New Yorkers“, hieß es neulich in der Bringdienst-Werbung)

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Hier blubbert der Lobster.