(239) Hola, Conchito! – Oder: Urlaub zu dritt

Zuhause bei Frau Life Science gab es früher eine Fototapete mit Palmenstrand. Sie bestand beim Kauf aus vier großflächigen Puzzleteilen. Das erste Stück wurde falsch auf die Wand geklebt, was zur Folge hatte, dass die anderen drei entsprechend angesetzt werden mussten und das Tapetenbild am Ende zweigeteilt blieb. Eine vertikal angebrachte Holzleiste kaschierte die Störung im Bild. Das blieb so für Jahre.

Der Urlaub im Heimatland der Fototapete war wunderbar. Aber Urlaub heißt für Eltern eben auch: rund um die Uhr Dienst, Pause nur, wenn das Kind schläft. Man wechselt sich am besten ab, einer liest im Liegestuhl, der andere hat Planschdienst. Dann Schichtwechsel. So ist das mit Kind. (Manche halten gar mehrere).

Es ist ja immer wieder Essenszeit. Eine Freude, dem Söhnchen beim Futtern zuzusehen! Er isst doppelt so viel als zuhause. Noch ein bisschen Hühnchen? Grüner Spargel? Meeresfürchte? Mir schmeckt´s nicht, aber dir vielleicht? Hau rein! Und du willst mal ein eher schlechter Esser gewesen sein? Das ist ja lachhaft!

Ein Nickerchen (der Amerikaner „napt“ ja bekanntlich), bevor man wieder im Pool baden geht. Oder wie wäre es mit einem Saft an der Poolbar? Ein Ausritt mit einem Schwimmtier, das keinem zu gehören scheint? Wenn der Angestellte mit Shorts und T-Shirt durch das Wasser zieht (Badekleidung verbietet sich für Mitarbeiter) und an allen trockenen Fußes nicht erreichbaren Stellen ohne jede Hektik Becher und Gläser einsammelt, ist es langsam an der Zeit zu gehen.

Vor dem Hauptgebäude gibt es jeden Abend eine kleine Pop up-Cocktailbar mit einem Getränk des Tagses. Das darf man auf keinen Fall verpassen, denn es schmeckt dort besser als anderswo auf der Anlage. Wechselnde Tischtuchfarben – ein tägliches Ratespiel, welches Mixgetränk heute an der Reihe sein könnte. Nach kurzer Zeit schon wird der Tisch wieder abgeschlagen und auf einem Wagen weggerollt.
Frau Life Science benötigt nicht nur einen Tag, um zu kapieren, dass es nicht reicht, zwei Cocktails zu bestellen. Der Forschernachwuchs braucht doch auch etwas! Sonst zieht er eine Schnute und kreischt. Aber es gibt immer einen verständnisvollen Barkeeper, der etwas für kleine Leute parat hat.

Die Kinderfreundlichkeit wirkt ebenso wie in New York selten gekünstelt. Sie ist eine Selbstverständlichkeit. Hola Conchito! Eine Kusshand hier, ein Luftballon dort. Der kleine Kerl ist bald auf du und du mit dem gesamten Hotelpersonal.

„Do you have any advice?“, hatte Frau Life Science die Kinderärztin gefragt, als vor der Abreise noch eine planmäßige Impfung abzuwickeln war. Ob noch irgendwas zu beachten wäre im Hinblick auf den Urlaub. Die Ärztin machte in ernstes Gesicht. Sie hatte tatsächlich einen Rat: „Enjoy!“ Genießt euren Urlaub.

Es ist nicht das erste Mal, dass Familie Life Science sich an ärztlichen Rat gehalten hat.

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Hier fehlt nur noch der Hochstuhl.