(240) Gute Gründe für eine Taxifahrt – Oder: Der Weg ist das Ziel (Und die Vorbereitung ist die eigentliche Veranstaltung)

Es ist kein Geheimnis, dass die Life Science -Familie zwar in New York wohnt, aber bei diesem „New York“-Dingens nicht so richtig mitmacht. Und so mag es kaum überraschen, dass sich Frau Life Science noch nie ein gelbes Taxi herbeigewunken hat. Sie ist wohl mal Taxi gefahren, am 17.11.205, dem Tag der Einreise, mit dem 7 Wochen alten Doktorle vom Flughafen bis zur Insel. Aber das war´s dann auch. Wozu gibt es public transport?

Dieses Wochenende war es dann plötzlich so weit. Frau Life Science hat wenig Termine, dennoch – oder deswegen – gelingt es ihr, zu übersehen, dass es nicht möglich ist, zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein. Sie kann nicht um 12:00 Uhr Schule in Midtown aus haben und zur gleichen Zeit ein Community Potluck (Mitbring-Picknick) auf der Insel eröffnen, wozu sie sich freiwillig gemeldet hat. Es läuft ja bekanntlich nicht ohne Frau Life Science (Mit ihr allerdings auch nicht, dazu später mehr). Zum Glück ist der Lifescientist in Urlaubsstimmung und für Veranstaltungen, die mit Essen zu tun haben, grundsätzlich offen. Er springt gerne ein.

Frau Life Science versucht schon im Vorfeld herauszufinden, wie sie die Zeitüberschneidung so gering wie möglich halten könnte, damit der Lifescientist nicht so lange allein vor Ort und vielleicht überfordert ist in der Mütter-und – Kinder-Welt. Sie googelt Taxirouten. Und Preise. Ob nach dem Taxifahren noch was vom Lehrer-Honorar übrig ist. (Ist es).

Aber per PKW von Midtown (Schule) auf die Insel (Picknick) zu gelangen, heißt, mit der Kirche ums Dorf zu fahren. Man bedenke die Flusslage der Insel! Man muss in Manhattan durch ein Tunnel unter dem East River hindurch nach Queens, dann wieder in die Gegenrichtung über die einzige Brücke zurück auf die Insel, noch dazu an deren falschem Ende. Das dauert zu lange. Da kann Frau Life Science gleich Bus und Seilbahn, genannt Tram, nehmen – wie immer. Oder aber sie lässt sich nur bis zur Tram mit dem Taxi chauffieren, statt mit dem lahmen Bus, und schwebt dann hinüber zur Insel. Das geht viel schneller. Zum Park, wo das Potluck stattfindet, ist es dann auch nicht mehr weit. Ein optimaler Plan für eine suboptimale Situation.

Am Tag des Ereignisses verlässt Frau Life Science dann der Mut. Nach Schulschluss steht sie fünf nach 12 an der First Avenue. Sie hat schon ein Busticket am Automaten gezogen mit der Monatskarte vom Lifescientisten. Die paar Minuten reißen´s jetzt auch nicht raus, denkt sie. Dann beobachtet sie die wartenden Menschen an der Haltestelle. Die stehen schon länger! In der Ferne, woher der Bus kommen sollte: ein Bauzaun, Straße nur einspurig. Irgendwie stockt es. Da muss man heute wieder mit allem rechnen. Dieser Bus fährt nicht nur viel zu langsam zum Ziel, er kommt erst gar nicht her.

So! Beim nächsten Taxi wird gewunken! Sonst wird das nichts mehr mit dem Potluck.

Frau Life Science hebt die rechte Hand. Das gelbe Auto blinkt sofort und hält. War doch gar nicht so schwierig. Sie öffnet die Beifahrertür (Schon falsch). Auf dem Beifahrersitz liegt eine Jacke und persönliche Gegenstände des Fahrers. Wie soll man da sitzen? Es ist so, wie wenn man völlig unerwartet einen Bekannten mitnimmt oder einen  Tramper. Der Fahrer zeigt auf die Rückbank. Frau Life Science steigt also hinten ein und nennt das Fahrtziel: Tramway Plaza. Der Fahrer versteht nicht. Na dann: Aussprache variieren. Hilft nicht! Es ist mal wieder zum Mäuse melken! Tramway PlazaTräämway Plaza, tramred thing that goes to Rooosevelt Island in the air, you know?? Irgendwann versteht der Herr und fährt los.

Mit nur einer halben Stunde Verspätung ist Frau Life Science im Park. Der Lifescientist hat die Tücher auf den Tischen ausgebreitet und die Picknicksachen darauf drapiert. Das ganze Geschirr und Besteck liegt wenig ansehnlich auf einem Riesenhaufen (Aber bei Plastikgeschirr hätte man auch optisch nicht so viel machen können, das sieht auch Frau Life Science ein).

Zum Potluck ist dann trotz aufgetürmten Bestecks keiner gekommen, außer die, die, die das Network leitet und deren Familie, sowie die Vorgängerin der Leiterin und die auch nur ganz kurz. Aber das ist Frau Life Science wirklich so richtig egal und der Lifescientist ist ebenfalls völlig entspannt. Man unterhält sich über dies und das (die Network-Chefin ist eine liebenswürdige Gesprächspartnerin) und auch konkrete Gründe für den ausbleibenden Andrang sind schnell gefunden. Der Termin für das nächste – natürlich viel bessere – Potluck steht schon. Frau Life Science ist dann wieder dabei. Notfalls nimmt sie auch den Hubschrauber.

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