(245) Sonntags in Yonkers – Oder: Junges Gemüse auf dem Frachtkahn

Die Stadt Yonkers, am unteren Zipfel des Hudson, ist sicher nicht bekannt für seine außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten, aber dafür beschaulich, und vor allem auch: still. „Das ist Emmendingen!“, sagt Frau Life Science, als sie aus dem Zug steigt. „Stimmt“, sagt der Lifescientist, „sogar die Wiese hier und der Klee, die ganze Vegetation ist wie in Emmendingen!“ Da machen er und der Junior mal eben ein Nickerchen. Eine Kinderjacke und eine Mullwindel dienen als Sonnenschutz. „Das ist mir zu langweilig!“, sagt Frau Life Science und zieht alleine los. Sie hat jetzt ein gutes Stündchen für sich – in Emmendingen/US.

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Am Ufer des Hudson Rivers, direkt vor den doch recht malerischen Steilfelsen, dümpelt ein Frachtkahn. Gelbe Sonnenschirme flattern im Wind. Irgendwas mit Science und Sustainability steht da. Vielleicht ein cooles Öko-Projekt mit angeschlossenem Café-Betrieb?  Insbesondere Letzeres wäre jetzt zu wünschen. Frau Life Science betritt den Steg. Ein zahnspangiger Jugendlicher spritzt auf und stellt sich für eine Führung zur Verfügung. Er zeigt Tomatenpflanzen, Erbsensträucher und diverse Setzlinge in zwei Glashäusern. Hier wird also Gemüse angebaut. Auf einem Frachtkahn. Wie praktisch! Man stellt besser nicht allzu viele Fragen, denn der Führer geht zwar selbst als junges Gemüse durch, weiß aber über Letzteres nicht so gut Bescheid. Lernt er aber noch, hier auf dem Kahn.

Auch der Chef namens Bob, ein älterer Herr, ist redselig. Er zeigt noch ein Herzstück des Projekts: die Energiegewinnung mittels Solartechnik und Windrädern. Im Maschinenraum des Kahns darf Frau Life Science die elektronischen Geräte betrachten. Solche, die frisch gewonnenen Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln sowie eine riesige Batterie, die das Ganze speichert. Aha.

Frau Life Science wird ausgefragt. Sie kommt also aus Manhattan (Roosevelt Island kennt ja sowieso keiner) ist mit ihrer Familie hier, aber die liegt auf der Wiese und pennt. Alles klar!

Angesichts dreier Gänseeier, die in einem Blumentopf abgelegt wurden, und nicht mehr bebrütet werden, zeigt Bob seine weiche Seite. Es scheint ihm wirklich leid zu tun. Auch weil die verwirrte Gans ab und zu auftaucht. Aber so etwas käme schon mal vor, vor allem, wenn die Gänse zum ersten Mal legten, sagt er.

Der Herr gibt auch noch ein paar Tipps, was man in diesem Städtchen noch erkunden könnte. Nicht so viel, schon gar nicht ohne Auto, aber Kunst in der Public Library, sonntags offen, und noch ein paar andere Dinge. Dann verabschiedet sich Frau Life Science. „Nice to meet you and thank you for showing me around“.

Frau Life Science trinkt woanders ihren Kaffee und kehrt auf die Wiese zurück. Der Junior ist von der Decke gekullert und hat Erde im Gesicht, inklusive in seinen Nasenlöchern. Sonst ist er wohlauf und bereit, das Städtchen zu erkunden. Los geht´s!

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