(254) We would need some education – Oder: Leidenschaft für – was war´s doch gleich?

Neulich war Kinder-Schwimmkurs (also mehr learning to plansch), aber der Schwimmlehrer kam nicht. Kann ja mal passieren. Vielleicht hatte er einen Auffahrunfall oder musste im Vorgängerkurs noch schnell jemanden wiederbeleben. Irgendwas halt, was keinen Aufschub duldet.

Die Woche drauf: dasselbe.

Kinder in Schwimmwindeln und niedlichen Badanzügen stehen bereit, ein Kunststück bis alle soweit sind, entnervte Mütter haben Parkuhren gefüttert, das Wasser ist wohltemperiert, aber der Lehrer „taucht“ nicht auf. Keiner weiß Bescheid. The teacher just did not show up. (Frau Life Science empfiehlt, für diesen Sachverhalt eine Abkürzung einzuführen, so wie „ASAP“, aber in dem Fall D-N-S-U. Did not show up. Das kommt hier nämlich schon mal öfter vor).

Am selben Tag noch sendet der Schwimmlehrer eine Email an Frau Life Science und alle anderen, die beim Kurs angemeldet sind. Frau Life Science möchte den Wortlaut dieser Email ihrer treuen Leserschaft nicht vorenthalten. Weil ein Stück Amerika drinsteckt und mehr noch New York; und weil die Email irgendwie total schräg ist, aber auch ebenso verständlich. Es gibt sicher kaum jemanden, der sich nicht wenigstens ein bisschen wiedererkennt. In der eigenen Unzulänglichkeit.

Ja, hat sie sich denn gar nicht geärgert, die Frau Life Science? Nope. Sie und das Kind haben den Schwimmkurs nämlich selbst geschwänzt. Und zwar auch „two times in a row“.


Email des Schwimmlehrers:

mail

Übersetzung:

Hallo an alle,

dafür, dass ich zweimal hintereinander den Schwimmkurs versäumt habe, möchte ich Sie heute ehrlich um Entschuldigung bitten.

Ich respektiere und schätze wirklich Ihre Zeit und Ihren Einsatz als Familien. Ebenso sehe ich, wie wichtig es für die Kinder ist, dass sie fortlaufende Erfahrungen mit Wasser sammeln können. Es ist ein peinlicher Auftritt meinerseits und es entspricht nicht meiner üblichen Vorgehensweise.

Besonders peinlich ist mir der Grund für meine Abwesenheit. Letzte Woche habe ich auf meiner Pendlerstrecke von Manhattan nach Queens eine schlechte Entscheidung getroffen und ich steckte schließlich im Verkehr fest, was verhinderte, dass ich es noch zum Schwimmkurs schaffte. Ich habe versucht, das Schwimmbad zu kontaktieren, aber ich hatte keinen Erfolg.

Heute nun kam ich von einem Erwachsenenschwimmkurs und aus irgendeinem Grund kam ich direkt nach Hause und hatte den Kinder-Schwimmkurs komplett vergessen. Unglaublich, ich weiß. Ich möchte ehrlich sein mit Ihnen allen. Das ist mehr als inakzeptabel und sehr merkwürdig, dass mir das passiert ist.

Heute Morgen ist mir bewusst geworden, dass ich diese Vormittagsklasse nicht richtig in meinen Fahrplan und in meinen Wochenplan einbezogen hatte. Ich verspreche Ihnen, dass ich das jetzt korrigiert habe und dass wir von nun an einen beständigen Schwimmkurs haben werden.

Bitte beachten Sie, dass das Schwimmen zu lehren für mich kein Teilzeitjob ist und nichts, was ich nebenbei tue. Ich lebe davon. Ich achte und wertschätze jedes Projekt, das mir glücklicherweise zukommt. Mit Ihnen und Ihren Familien zu arbeiten ist für mich von größter Wichtigkeit. Es ist meine Leidenschaft und bringt mir größte Freude.

Ich entschuldige mich aufrichtig für die Unannehmlichkeiten. Ich hoffe, ich kann Ihr Vertrauen und Ihren Respekt wiedergewinnen. Trotz dieser Reihe an unglücklichen Ereignissen.

Danke im Voraus für Ihre Geduld, Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen…

wasserflugzeugVielleicht hätte der Schwimmlehrer ein Wasserflugzeug in seinen „commute“ einbeziehen sollen…
Landung eines Wasserflugzeuges in Kips Bay, Manhattan