(259) Was man halt so sagt – Oder: Stay tuned

Bis Frau Life Science das mal kapiert hat. Dass man „Nice to meet you!“ nur einmal sagtwenn man sich zum ersten Mal getroffen hat. Ab dann gilt: „Good to see you.“ Alles andere wirkt eher verstörend auf das Gegenüber. Die entsprechende Antwort auf „Nice to meet you“ heißt natürlich: „Nice to meet you, too.“

Die Besucherin aus Freiburg hat diese Antwort noch nicht parat, als Frau Life Science sie am Front Desk vorstellt. Auf „Nice to meet you“ der Haus-Chefin lächelt sie schweigend. Das kann man so oder so verstehen.

Es gibt viele Dinge, die man halt so sagt. Wenn man es einmal kapiert hat, ist es immer gleich. Gleicher als in Deutschland, findet Frau Life Science.

Vom ewigen „How are you doing?“ soll hier gar nicht erst die Rede sein. Aber sehr formelhaft ist beispielsweise auch: „Stay irgendwas“. Wenn´s regnet: „Stay dry“. Wenn´s heiß ist: „Stay cool.“ Wenn´s kalt ist: ratet mal. Sobald ein Schneesturm kommt, natürlich: „Stay safe“. Frau Life Science kann beim besten Willen nichts damit anfangen. Bei jeder außergewöhnlichen Lage gilt: Stay das Gegenteil von dem, was gerade ist. Frau Life Science schwitzt aber für gewöhnlich im Juli und friert im Dezember. Da kann man noch so inbrünstig das Gegenteil behaupten mit einer Bedeutsamkeit, als würde man frohe Ostern oder frohe Weihnachten wünschen (was natürlich nicht minder fragwürdig ist).

„Have a good one“, sagt man im lockeren Umgang, um jemanden einen schönen Tag zu wünschen. Da gibt es schon hier und da eine Variation. Die Kassiererin im Supermarkt wünschte neulich „a blessed day“. Das möchte Frau Life Science mal in Deutschland  erleben, dass die Kassenfrau bei Edeka einen gesegneten Tag wünscht.

Immer das Gleiche ist „Good job“ (sprich: „Gudd tschaaaab“). Ein anderes Lob gibt es fast nicht. Vielleicht zusätzlich. Aber erst mal ist alles, was Menschen unter 18 Jahren so tun, ein „good job“: „Good job singing“, „Good job bouncing, „Good job going down the slide“. Good job everything.

Was Frau Life Science sehr gerne mag, ist: „No worries!“ Trinkbecher vergessen in die KiTa mitzugeben? No worries. Die haben Ersatzbecher, das Kind verdurstet nicht. Tram verpasst und viel zu spät? No worries. Drei Mütter warten an der U-Bahn, aber leider verpennt? No worries. Frau Life Science mag das. Die abfallende Melodie. Die umgehend einsetzende Entspannung. No worries. Einfach wunderbar!

 

…Stay bright!