(261) Spektakel im Bryant Park – Oder: umsonst und draußen

Im Bryant Park gibt es vieles umsonst und für alle, zum Beispiel Brettspiele, Bücher, Tischtennisplatten mit Zubehör und Outdoor-Sprachkurse. Zudem wurde heute zweierlei kostenlos für die Allgemeinheit aufgeführt:

Um 14:44 Uhr:          Eine partielle Sonnenfinsternis

Bei Einbruch der Dämmerung:    „Dirty Dancing“ als Freiluftkino-Film

 

14:44 Uhr:

Aus den umliegenden Geschäftstürmen strömen ab Viertel nach zwei Menschen, vorwiegend zwischen 30 und 40 Jahren, und versammeln sich auf den Freiflächen. Die Chefs scheinen heute mal ein Auge zuzudrücken. Sonnenfinsternis ist ja nicht jede Woche! Eine Menge Schutzbrillen sind zu sehen. Besonders Clevere haben aus Cornflakes-Packungen einfache Lochkameras gebastelt, mit denen sie das Spektakel indirekt und augenschonend betrachten können. Kurz vor zwei löst sich die Versammlung wieder auf. Die Show ist zu Ende, die Büroarbeit ruft.

rechts: Lochkamera aus einem Schuhkarton

 

lochkam

„Lochkamera“ aus zwei Papierbögern mitten auf dem Gehweg – It works!
(Die partielle Sonnenfinsternis zeichnet sich in der Mitte des Papiers ab)

 


Einbruch der Dämmerung

leinwand

leute…sind schon paar da!
Der Film „Dirty Dancing“ lockt eher Frauen in den Bryant Park

Frau Life Science und ihre Besucherin hatten den Zeitpunkt „Einbruch der Dämmerung“ ernst genommen und sind erst dann wieder im Park erschienen. Dennoch konnten sie einen Platz in der ersten Reihe ergattern, zu Füßen einer älteren Dame in orange. Das war Glück. Der Andrang war enorm bei dieser letzten Freiluftkino-Vorführung in dieser Saison und bei allerbestem Wetter.

Eine Besucherin stimmt schon vor der Werbung „The time of my life“ an, singt auch während dem Film jeden Song mit und kennt offenbar auch den gesprochenen Text auswendig. Zwei Reihen hinter ihr hört man eine männliche Stimme: „Shut up!“. Das sei ihr Lieblingsfilm, wehrt sie sich. Außer diesem einen Typen stört es wirklich keinen, denn erstens kann sie singen und das trägt zweitens zur Atmosphäre bei. „Shut up!“, „Shut up!“.
„Take your medication, ok?“, antwortet die Sängerin und Filmkommentatorin. So geht es in einem fort, bis der Mann sich durch die Reihen kämpft und sich davon macht. Aber nicht um Medizin zu holen, sondern zwei Parkwächter, die den Streit schlichten sollen, der dann aber erst recht eskaliert.
Es wäre irgendwie cool, wenn man original-amerikanische Schimpftiraden niederschreiben könnte, funktioniert aber nicht. Jedenfalls teilt die Dame wortreich und bühnenreif mit, sie möchte mit der Polizei nichts zu tun haben, sie habe bereits ein Verfahren am Hals und überhaupt wolle sie hier nur den Film sehen und es reiche ihr jetzt. Mit der „Polizei“ (die wirklich keine war) spreche sie auf keinen Fall. Dann gibt sie ihren privilegierten Sitzplatz, den sie vielleicht schon seit der Sonnenfinsternis besetzt hat, auf und verlässt den Park. Die im Film gespielte Musik „Stay just al little bit longer…“ könnte passender nicht sein.

Ansonsten verläuft der Abend friedlich und es herrscht eine Wahnsinns-Atmosphäre. Klarer Fall: gerade dieser Film (der übrigens in New York State spielt) funktioniert im Open Air Kino für alle im Park.

Beim Gehen gibt meine Besucherin den zurückgebliebenen Freundinnen der Dame, die früher gegangen ist, noch ein paar Grüße mit und bringt ihr Bedauern zum Ausdruck. Dann liegen sich die Frauen kurz in den Armen und tauschen Telefonnummern aus. Die ältere Dame in orange, die so nett den Platz zu ihren Füßen gewährte, bekommt ihr Sitzkissen, das sie versehentlich liegen ließ, von meiner Besucherin hinterhergetragen und ein gelungener Abend geht zu Ende. Auf zur F-Train.

PoliceAre you kidding me? Police????

popcornFamilie Life Sciences Hausbank gibt ´ne Runde Popcorn für alle (!) aus


Und hier noch zwei Szenen aus dem Film …

Gefilmt von der Besucherin