(265) Making magic happen – Oder: Meine Mama sittet fremd

Familie Life Science weiß inzwischen schon recht genau, wann der Aufenthalt im Land der begrenzten Möglichkeiten enden wird und sie nach Hause gehen werden. Wenn sie auch noch nicht genau wissen, wo das zuhause sein wird.
Höchste Zeit für einen Strategiewechsel in Sachen Stipendium vom Lifescientisten. Vom Aufsparen der Ressourcen hin zum Aufbrauchen. Auf dass nichts umkommt! Plötzlich wird klar: der Forschernachwuchs kann ab sofort auf die Warteliste für Vollzeitbetreuung. Ein Großteil der bizarr hohen Betreuungskosten kann in Zukunft abgesetzt werden.

Große Veränderungen kommen hier immer hoppladihopp. Nach Vollzeit gefragt – Zack! Vollzeit bekommen. Ab sofort darf der Kleine jeden Tag sechs Stunden zu Ms. Brianda und den anderen Kindern in den Daycare Center. Er findet das gut.

Was macht Frau Life Science? Darf man denn so viel frei haben oder ist das unverschämt? Wie soll man das der internationalen Mutterschaft erklären? „Ach, du wartest dringend auf einen Teilzeit-Betreuungsplatz? Wir schon klappen! Ich jedenfalls habe gerade aufgestockt“, kommt irgendwie nicht so gut rüber. Von der externen Kostenübernahme ganz zu schweigen. Frau Life Science kommt ein paar mal ins Schwitzen, bis es endlich alle wissen.

Nun läuft die Vollzeitbetreuung schon zwei Wochen. Doch Frau Life Science kommt mit ihrer To do – Liste für die viele neue Freizeit (Fotos sortieren, Blog umziehen) nicht sehr viel weiter. Es häufen sich plötzlich Anfragen fürs Babysitten. Wenn man einmal damit anfängt..  Mit Unterstützung des Lifescientisten und der einen oder anderen zugebuchten Stunde in der KiTa wird es auf einmal möglich, Ersatznanny bei einer anderen Familie zu spielen.

Ob Frau Life Science vielleicht gar schon um 7:15 Uhr anfangen und bis 4:00 Uhr bleiben kann, fragt die Chefin via Textnachricht. „Sure“, antwortet Frau Life Science, nach kurzer Rücksprache im Familienrat, und freut sich schon auf den gut gefüllten Briefumschlag, den es am Ende des Tages geben wird.

You are making magic happen,

schreibt die Chefin. Das hat der Lifescientist noch nie gesagt.

Frau Life Science fühlt sich im Haushalt der anderen ein bisschen wie ein Au Pair-Mädchen mit 20 Jahren Verspätung. Jedenfalls erhält sie interessante Einblicke in das Leben einer New Yorker Familie. Über Kochspray zu schreiben, ist das eine. Damit Tortillas für kleine Mäuler zu braten, etwas ganz anderes. Und Frau Life Science verbessert ihr Englisch, falls auf diesem Gebiet überhaupt noch irgendeine Hoffnung besteht.

„Ergibt das denn Sinn, das eigene Kind in Betreuung zu geben um auf andere Kinder aufzupassen?“, wundert sich die Nachbarin. Berechtigte Frage. In dieser verrückten Stadt ergeben die merkwürdigsten Dinge Sinn.

Tatsächlich, es fühlt sich ein bisschen an wie Fremdgehen in der Mutter-Kind-Beziehung. Aber es macht auch richtig Spaß. Frau Life Science mag die Chefin. Und die zwei anderen Kröten mag sie auch. Darum macht sie gerne öfter mal „magic happen“.  In Sachen Vorbereitung ist dieser Job übrigens weitaus dankbarer als das Unterrichten an der Sprachschule. Eine Handvoll Matchboxautos in die Hosentasche stecken oder eine Spritzpistole aus dem Forschernachwuchs-Sortiment in die Handtasche legen. Fertig. Mehr braucht es nicht, um die Zeit rumzukriegen.

nannyAuf dem Spielplatz: Diese dunkelhäutigen Damen machen machen tagtäglich magic happen. (als Vollzeitbeschäftigte vermutlich zu einem schlechteren Stundenlohn)